Wenige Themen im Gesundheitswesen werden so emotional und kontrovers diskutiert wie das Impfen. Auf der einen Seite wettern überzeugte Impfgegner gegen jede Impfung. Auf der anderen Seite wollen viele gegen alles und jedes impfen und fordern eine gesetzliche Impfpflicht. Für differenzierte Argumente ist auf beiden Seiten wenig Platz.

Die Anthroposophische Medizin setzt anders an – und empfiehlt eine sachliche Diskussion um Vor- und Nachteile sowie eine kritische-konstruktive Betrachtung der offiziellen Impfempfehlungen sowie des Impfzeitpunktes. Da die Anthroposophische Medizin davon ausgeht, dass das Durchmachen von akuten entzündlichen Erkrankungen im Kindesalter (also auch der klassischen Kinderkrankheiten) das Kind stärken kann, werden die Eltern in ihrem Recht, individuell zu entscheiden, unterstützt.

Dazu werden sie vom Kinderarzt ausführlich beraten. Gemeinsam wird das Für und Wider sorgfältig abgewogen. In der Praxis hat es sich bewährt, diese „theoretische“ Auseinandersetzung zu ergänzen, indem die individuellen und konkreten Rahmenbedingungen einer Familie einbezogen werden: Wie wird das Kind betreut? Wer könnte im Krankheitsfall länger zuhause bleiben? Gibt es Geschwisterkinder? Gibt es gesundheitliche Vorbelastungen? Gibt es im Umfeld chronisch kranke Kinder? Insofern wird neben einer persönlichen Verantwortung für das eigene Kind auch die soziale Verantwortung gegenüber der Umgebung bzw. der Gesellschaft thematisiert.

Eltern sollten sich die Zeit für diese Auseinandersetzung unbedingt nehmen und sich nicht, von wem auch immer, unter Druck setzen lassen. Gemeinsam mit dem Kinderarzt können sie dann eine so genannte „risikoadjustierte“ Entscheidung fällen. Und noch ein Wort an alle Eltern, die sich mit der Frage quälen, ob sie sich richtig entschieden haben, ihr Kind zu impfen (oder eben nicht): Natürlich sind Schutzimpfungen ein wichtiges Thema, mit dem verantwortlich umgegangen werden sollte. Aber mindestens ebenso wichtig ist es für Eltern, die Rahmenbedingungen für das Aufwachsen – Ernährung, Bewegung, Medien, Rhythmus – so zu gestalten, dass das Kind in seiner Entwicklung optimal unterstützt wird.

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