Differenziert debattieren!

Dachverband Anthroposophische Medizin fordert eine konstruktive Debatte um Homöopathie und Anthroposophische Medizin

Der Tod dreier Krebspatienten, die am Niederrhein im „Biologischen Krebs-Zentrum“ behandelt worden waren, hat eine wenig differenzierte Debatte um die Sicherheit und Erstattungsfähigkeit von homöopathischen und anthroposophischen Arzneimitteln hervorgerufen. Der Dachverband Anthroposophische Medizin verwahrt sich gegen abwertende und verallgemeinernde Behauptungen zum angeblich mangelnden Nutzen der komplementären Therapierichtungen. Josef Hecken, der unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), hatte die Kontroverse angestoßen, als er Ende August in einem Zeitungsartikel forderte, den gesetzlichen Krankenkassen zu untersagen, homöopathische und anthroposophische Arzneimittel als Satzungsleistungen zu erstatten. Der Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland (DAMiD) spricht sich in aller Deutlichkeit gegen diese Forderungen aus und fordert eine sachliche und konstruktive Debatte.
 
Filderklinik Paediatrie Onkologie„In der jetzigen Auseinandersetzung wird Vieles durcheinander geworfen: Die verstorbenen Patienten wurden von einem Heilpraktiker behandelt, der eine Therapie angewandt hat, die weder homöopathisch, anthroposophisch oder anders komplementär ausgerichtet ist. Trotzdem muss der Vorfall dazu herhalten, die Homöopathie und die Anthroposophische Medizin als unwissenschaftlich, ja sogar schädlich, anzugreifen. Noch einmal: Wir machen keine Alternativmedizin! Die Anthroposophische Medizin ist ein integrativer Ansatz, der sich als Erweiterung und Ergänzung der konventionellen Medizin versteht“, kritisiert Dr. med. Stefan Schmidt-Troschke, Vorstandsmitglied im DAMiD, die Diskussion. „Die Vorwürfe wiegen umso schwerer, als gerade die anthroposophisch orientierte Krebstherapie den hohen Anspruch einer ganzheitlichen Behandlung, die ergänzend zur konventionellen Therapie eingesetzt wird, verfolgt. Wer Zweifel daran haben sollte, schaue sich eines der etablierten Krebs-Zentren an einer anthroposophischen Akutklinik an, die inzwischen wiederholt von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert worden sind.“
 

Realitätsnahe Forschung gefordert

Um Nutzen und Unbedenklichkeit der komplementären Verfahren zu belegen, setzt sich die Anthroposophische Medizin seit Jahr und Tag für Wissenschaft und Forschung ein. Sie forscht und publiziert zu ganz verschiedenen Themen. Im universitären Kontext laufen zahlreiche wissenschaftliche Projekte, der akademische Austausch ist sehr konstruktiv. Alle anthroposophischen Arzneimittel durchlaufen Qualitätskontrollen, die dokumentiert und regelmäßig behördlich kontrolliert werden. Große Meta-Analysen, wie sie sonst oft üblich sind, sind für anthroposophische Arzneimittel wenig sinnvoll, da die Anthroposophische Medizin meist multimodal mit verschiedenen Therapien zugleich arbeitet. Zudem sind diese Maßnahmen häufig integrativ eingebunden in ein konventionelles Vorgehen. Selbstverständlich ist die Anthroposophische Medizin an der Erforschung ihrer Sicherheit und Wirksamkeit interessiert. Dazu aber muss sie innerhalb einer komplexen Versorgungssituation erforscht werden. Für diese Aufgabenstellung braucht es umfassende Projekte in der Versorgungsforschung.
 
Der Staat hat sich aus der Förderung von Projekten aus der komplementären bzw. integrativen Medizin komplett zurückgezogen. Heute wird alle Forschung in diesem Bereich durch private Stiftungen finanziert. „Einer aussagekräftigen Darstellung der integrativen Versorgungsrealität in der medizinischen Praxis kann man damit natürlich nicht gerecht werden“, meint Schmidt-Troschke. „Deshalb fordert die Anthroposophische Medizin seit längerem staatlich geförderte Forschungsstrukturen und -Projekte sowie eine spezifische Versorgungsforschung in integrativen Settings, an der wir uns im Übrigen sofort beteiligen würden. Nur breit angelegte Projekte zur Versorgungsforschung werden uns relevante Antworten geben, die wir für unsere Patienten brauchen“.
 
Dazu braucht es eine kritisch-konstruktive Auseinandersetzung mit dem Status quo der jetzigen Forschung – und nicht pauschale Anschuldigungen gegen integrative Ansätze wie die Homöopathie und die Anthroposophische Medizin. Immerhin wenden von den 150.000 ambulant tätigen Ärzten in Deutschland mehr als 60.000 Fachärzte regelmäßig Verfahren aus der Komplementärmedizin in ihrer täglichen Praxis an. Über 40.000 haben eine Zusatzbezeichnung im Bereich der Komplementärmedizin erworben oder eine curriculare Ausbildung abgeschlossen; dazu gehören beispielsweise Akupunktur, Naturheilverfahren, Anthroposophische Medizin oder Homöopathie. Alleine diese Zahlen machen deutlich, dass die Integrative Medizin kein Randphänomen der Heilkunde darstellt, sondern schon längst Realität der täglichen medizinischen Praxis ist. Es ist an der Zeit, die gestrig anmutende Debatte um die Daseinsberechtigung der Integrativen Medizin endlich zu beenden.
 

Pressekontakt:

Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland e.V. (DAMiD)
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Natascha Hövener, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon 030-28 87 70 96, E-Mail: hoevener@damid.de
 
 
Der DAMiD repräsentiert die Anthroposophische Medizin in allen gesellschaftlichen Bereichen des deutschen Gesundheitswesens. Als Dachorganisation vertritt der Verband die übergeordneten Belange und Interessen seiner 16 Mitglieder. Mitgliedsorganisationen sind Berufsverbände, Klinikverband, gemeinnützige Altenhilfe, Behindertenhilfe sowie die Hersteller Anthroposophischer Arzneimittel.