Anthroposophische Medizin fordert: Vorsorge bei Kindern und Jugendlichen darf nicht mit dem Präventionsgesetz enden

Immer mehr Heranwachsende leiden unter psychischen Störungen, chronischen Erkrankungen und haben schlechte Chancen auf ein Leben in guter Gesundheit. Obwohl es dem Großteil der Kinder und Jugendlichen in Deutschland gut geht, hat rund ein Fünftel der Kinder mit großen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Mit diesen Herausforderungen beschäftigen sich die rund 250 Teilnehmer/innen der Tagung „Zukunft Prävention: Kindergesundheit heute und morgen“, die gemeinsam vom Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland (DAMiD), der BARMER GEK und dem Kneipp Bund in Berlin durchgeführt wurde.

Die Experten forderten eindringlich, dass das vor einem Jahr verabschiedete Präventionsgesetz nun nicht dazu führen dürfe, dass sich Länder, Kommunen und Institution aus ihrer Verantwortung zurückziehen, da gesetzlich festgelegt wurde, dass die Krankenkassen für die Prävention zuständig sind. „Prävention ist und bleibt eine gesamt-gesellschaftliche Aufgabe, die auf keinen Fall alleine von den Krankenkassen bearbeitet werden kann“, erläuterte Dr. med. Stefan Schmidt-Troschke, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Vorstandsmitglied im Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland (DAMiD).

Ohne Lebenswelten geht es nicht

Viele der Experten waren sich einig, dass das Präventionsgesetz sinnvoll sei und in die richtige Richtung weise, da es erstmalig Pläne für Prävention und Gesundheitsförderung in den Lebens- und Beziehungswelten von Kindern und Jugendlichen umfasse. „Prävention wird nur dann wirksam sein können, wenn wir die Kinder dort erreichen, wo sie leben und aufwachsen, also in der Familie, in der Kita und in der Schule“, forderte Schmidt-Troschke. „Wenn dort die Selbstregulation liebevoll gefördert wird, lernen Kinder selbstverständlich, die eigene Gesundheit zu entwickeln. Prävention heute bedeutet, die schöpferischen Potenziale von Kindern zu achten, aktiv einzubeziehen und ihre persönlichen Entwicklungsbedürfnisse ernst zu nehmen“, sagte Schmidt-Troschke.

Obwohl bei der Tagung viel von gesundheitlichen Risiken die Rede war, sollte sorgfältig zwischen echten Problemen und solchen, die eher mit der Anforderungen unserer heutigen Leistungsgesellschaft  zu tun haben, unterschieden werden. „Kindheit ist keine Krankheit. Es gibt eine große Bandbreite an Kinderverhalten. Kinder funktionieren eben nicht immer so, wie wir uns das vielleicht vorstellen. Nicht alles ist sofort krankhaft“, formulierte es Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte.

Betroffene werden zu Beteiligten

Die Experten diskutierten engagiert (auch anhand von praktischen Beispielen) darüber, wie vor allem die bildungsfernen Milieus besser von präventiven Angeboten erreicht werden können. „Wir müssen stärker in den Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen zusammenarbeiten. Dazu braucht es neue Netzwerke zwischen Kommune, Schule und Kita“, mahnte Prof. Dr. Peter Paulus (Leuphana Universität, Lüneburg). Ohne die Zusammenarbeit mit den Beteiligten werde es nicht gehen, so Paulus weiter: „Präventionsprogramme müssen gut zugeschnitten sein, sonst verpuffen sie. ‚One size fits all‘ bringt in der Prävention überhaupt nichts“.

Stefan Schmidt-Troschke erweiterte diese Perspektive: „Prävention ist eine echte Kulturaufgabe. Wir Kinderärzte wissen, dass Gesundheit immer viel mit Pädagogik zu tun hat. So reicht es eben nicht aus, dem Kind nur zu sagen, sich gesund zu ernähren. Wir erreichen viel mehr, wenn wir Kindern zum Beispiel zeigen, wie Getreide wächst, wie es verarbeitet wird, was man damit machen kann. Viele Kinder erfahren das aber heute gar nicht mehr. Wir sollten darauf achten, dass unsere Kinder wirklich mit der Welt in Berührung kommen und im gelebten Alltag erfahren, was gesundes Aufwachsen wirklich bedeutet.“

Pressekontakt:

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Der DAMiD repräsentiert die Anthroposophische Medizin in allen gesellschaftlichen Bereichen des deutschen Gesundheitswesens. Als Dachorganisation vertritt der Verband die übergeordneten Belange und Interessen seiner 16 Mitglieder. Mitgliedsorganisationen sind Berufsverbände, Klinikverband, gemeinnützige Altenhilfe, Behindertenhilfe sowie die Hersteller Anthroposophischer Arzneimittel.

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