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Überfüllte Kreißsäle, zu wenig Personal, viele Kaiserschnitte, verunsicherte Eltern – die Geburtshilfe steht unter Druck. Erstmalig haben sich Frauen- und Kinderärzte, Hebammen und Eltern mit der Forderung nach einer politischen Debatte und einem Nationalen Geburtshilfegipfel zusammengeschlossen. Auch die Anthroposophische Medizin ist dabei.

Die Zeit wird knapp: In dieser Legislaturperiode war geplant, die Suizidbeihilfe neu zu regeln, nachdem das Bundesverfassungsgericht Anfang 2020 die bisher gültige Regelung gekippt hatte. Inzwischen liegen drei interfraktionelle Entwürfe vor – allerdings scheint zwischen den Fraktionen umstritten zu sein, ob man das Thema bis zur Bundestagswahl abschließen kann, obwohl es Ende April eine durchaus differenzierte Debatte im Bundestag gegeben hat. Zu dem Thema liegt inzwischen auch eine interessante Stellungnahme aus der Anthroposophischen Medizin vor. Auch ein anderes großes Debattenthema wurde in den vergangenen Wochen in Politik und Selbstverwaltung diskutiert: die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Dazu gibt es vielversprechende Neuigkeiten aus den USA mit dem Digital-Projekt „Open Notes“ für mehr Transparenz in der Arzt-Patienten-Kommunikation. Weitere News haben wir außerdem zur Frage nach den Symptomen von Long- bzw. Post-COVID sowie zu einem neuen Beratungsangebot zur Integrativen Onkologie an der Uni Tübingen zusammengefasst.

Licht und (viel) Schatten im zweiten Pandemie-Jahr: Die Impfprogramme sind angelaufen, wenn auch mit einigem Chaos. Eine gute Nachricht ist, dass ab April auch endlich die 35.000 Hausarztpraxen impfen können – ein längst überfälliger Schritt, da die HausärztInnen die gesundheitlichen Risiken ihrer PatientInnen natürlich am besten einschätzen können. Trotzdem wird es dauern, bis sich die Effekte des Impfens zeigen werden. Derweil verschlechtert sich die Stimmungslage in der Bevölkerung weiter. Vor allem Kinder und Jugendliche haben vermehrt Zukunftsängste und psychische Probleme. Die Pandemie legt schmerzlich offen, dass gerade die vulnerablen Gruppen am stärksten betroffen sind. Was es nun braucht, ist eine Public Health Strategie für Deutschland, um die gesundheitlichen Folgen der Pandemie abzufangen – so ein Eckpunktepapier des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung. Mehr Prävention und Gesundheitsförderung fordert auch der Kneipp-Bund anlässlich des 200. Geburtstages von Sebastian Kneipp, der in diesem Jahr gefeiert wird.

Selbst so gesellschaftlich relevante Themen wie die Suizidbeihilfe oder die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels haben es in diesen Tagen schwer, in der Gesundheitspolitik durchzudringen – zu dominant ist nach wie vor die Debatte darum, wie es mit der Pandemie weitergeht. Inzwischen liegen immerhin abgestufte Pläne zur Lockerung des Lockdowns vor. Kurz vorher hatten vor allem die KinderärztInnen nochmal wegen der sich abzeichnenden Spätfolgen bei Kindern und Jugendlichen Alarm geschlagen. Nun zu den anderen Themen: Die Debatte zur Sterbehilfe geht weiter. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes im letzten Jahr liegen nun neue Vorschläge vor. Außerdem wollen wir kurz über eine neue Studie zum Klimawandel berichten, die deutlich auf die gesundheitspolitische Dimension des Themas verweist. Es ist höchste Zeit, dass diese Problematik endlich stärker in Bezug auf Medizin und Gesundheit diskutiert wird.

Auch in der Politik werden Forderungen nach einer Ausstiegsstrategie aus dem Lockdown lauter. Die Bundesärztekammer warnte ebenfalls erneut vor handfesten psychosozialen Stress in der Bevölkerung. Trotzdem sprechen sich auch viele für eine Verlängerung des Lockdowns aus. Die Debatte geht also weiter. Das gilt auch für die Frage, in welchem Umfang Kinder tatsächlich von der Pandemie betroffen sind. Hierzu haben Prof. Dr. David Martin und Dr. Silke Schwarz von der Universität Witten/Herdecke eine interessante Arbeit zur Versorgungsrealität in den Kinderarztpraxen vorgelegt. Interessante Entwicklungen gibt es auch beim Klimaschutz: Das Bündnis Junge Ärzte hat in einem neuen Positionspapier mehr aktiven Klimaschutz im Gesundheitswesen gefordert. Zum Schluss berichten wir über die neuen Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), mehr Menschen für Pflegeberufe zu begeistern. Kleiner Tipp am Rande: mehr Respekt und auch Geld, vor allem aber bessere Arbeitsbedingungen und mehr Verantwortung wären ein Anfang.

Auch wenn ab diesem Jahr manches neu im Gesundheitswesen ist, so beherrscht Corona nicht nur weiterhin die Schlagzeilen, sondern bestimmt mit dem erneuten Lockdown auch das alltägliche Leben. Große Hoffnungen werden in die Impfung gesetzt – ob sie sich erfüllen werden, ist momentan noch völlig offen. Bis auf weiteres heißt es also, die Belastungen vor allem für Kinder (und andere vulnerable Gruppen) möglichst geringzuhalten. Denn neue Studie zeigen, wie viel ein Lockdown vor allem den Kindern (und ihren Eltern!) abverlangt. Für mehr Rücksichtnahme und mehr Umsicht in der Kommunikation setzen sich auch zahlreiche medizinische und wissenschaftliche Fachgesellschaften ein. Gute Nachrichten gibt es aus zwei anderen Bereichen: In Bayern ist Klaus Holetschek (CSU), der sich immer wieder für die Integrative Medizin stark gemacht hat, zum neuen Gesundheitsminister ernannt worden. Und das Thema Klimawandel wird endlich stärker auch als Gesundheitsrisiko diskutiert – es wurde höchste Zeit.