Deutscher Bundestag / Plenum

Wie kann man auf die Idee kommen, dass Medizin eine reine Naturwissenschaft sei? Alleine die Debatte um die Sterbehilfe zeigt, wie intensiv ethische Fragestellungen in die Medizin verwoben sind. Nun fordert das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes eine neue Debatte in dieser extrem sensiblen Frage. Ansonsten viel Gutes aus der Integrativen Medizin: Krebspatienten der Uni Bonn können nun kostenlos Kunsttherapie in Anspruch nehmen. In Bayern kooperieren die Uniklinken in Würzburg und Bamberg zur Integrativen Medizin. Und eine neue Studie hat gezeigt, dass Kinder mit Migräne deutlich besser von Gesundheitsförderung profitieren als von Medikamenten.

Die Meldungen:

» Neue Debatte nach Urteil zur Sterbehilfe
» Eltern klagen gegen verpflichtende Masern-Impfung
» Integrative Medizin an der Uni
» Kunsttherapie für Krebspatienten
» Mehr Gesundheitsförderung für Kinder mit Migräne!

 

Neue Debatte nach Urteil zur Sterbehilfe

pixabay HaendehaltenBerlin, 5. März 2020. Ende Februar 2020 hat das Bundesverfassungsgericht ein Urteil mit großer Tragweite gefällt. Das Gericht hat festgestellt, dass Paragraf 217 Strafgesetzbuch gegen das Grundgesetz verstoße. Damit hat das Gericht den Willen des Einzelnen gestärkt und festgehalten, dass es ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben gebe. Dieses Recht schließe die Freiheit ein, dabei auf die freiwillige Hilfe Dritter zurückzugreifen – das sei jedoch durch den jetzigen Paragraf 217 nicht gewährleistet.

Mit dem Urteil wurde jedoch zugleich klargestellt, dass der Staat durchaus das Recht und die Pflicht habe, den Bereich der Suizidbeihilfe zu reglementieren – insbesondere für ÄrztInnen. Nach wie vor wird es keine Pflicht für ÄrztInnen geben, bei einer Selbsttötung mitzuwirken.

Vor fünf Jahren hatte der Bundestag über das Gesetz abgestimmt, um die geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung zu verbieten. „Mit dem Urteil wird klar, dass wir eine neue Debatte brauchen“, kommentiert Barbara Wais, Geschäftsführerin des DAMiD. „Wie auch schon vor fünf Jahren wird die Entscheidungsfindung nicht leicht. Denn es geht um das Spannungsfeld zwischen dem Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen und ethisch angemessenen Regeln zur Umsetzung durch Dritte.“

Das Urteil wurde, wenig überraschend, sehr unterschiedlich aufgenommen. Die Bundesregierung wird über mögliche Maßnahmen entscheiden. Neu zu regeln wird auch die Stellung von Sterbehilfevereinen sein.

Urteil des Bundesverfassungsgericht: Z.: 2BvR 2347/15 und weitere

Eltern klagen gegen verpflichtende Masern-Impfung

DAMiD MasernimpfungBerlin, 5. März 2020. Mit dem Inkrafttreten des so genannten "Masernschutzgesetzes" wurden am 1. März 2020 erste Verfassungsbeschwerden beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eingereicht. Weitere Verfassungsbeschwerden sind in Vorbereitung.

Insgesamt klagen bzw. wollen mindestens vier Familien sowie eine Ärztin und ein Arzt klagen. Die Verfassungsbeschwerden der Eltern stützen sich auf das Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit der Kinder (Art. 2 Abs. 2 GG), auf das Elternrecht auf Erziehung (Art. 6 Abs. 2 GG) und auf eine Verletzung der Gleichheitsrechte (Art. 3 Abs. 1 GG). Die Klägerfamilien betrachten die Einführung eines Impfzwangs gegen Masern als unverhältnismäßig und nicht akzeptabel. Den ÄrztInnen geht es vor allem um den staatlichen Eingriff in das Arzt-Patienten-Verhältnis.

Die Einsprüche werden unterstützt von den Vereinen: » Ärzte für Individuelle Impfentscheidung und » Initiative freie Impfentscheidung e.V.

Mehr Infos: » Ärzte für Individuelle Impfentscheidung

Integrative Medizin an der Uni

Pixabay doctors uniBerlin, 5. März 2020. Das Staatsministerium für Gesundheit und Pflege in Bayern fördert die Erforschung der Integrativen Medizin. Dazu startet ein Kooperationsprojekt der Universität und des Universitätsklinikums Würzburg mit dem Klinikum Bamberg. Das Ministerium fördert das Projekt „IMBAY-2020 – Integrative Medizin in Bayern 2020“, das seit Anfang des Jahres läuft, für 18 Monate mit insgesamt 360.000 Euro.

„Oberstes Ziel ist es, Patientinnen und Patienten die bestmögliche wirksame Therapie zukommen zu lassen. Daher stellt die Evaluation der Studie einen wichtigen Bestandteil der Qualitätssicherung von IMBAY-2020 dar“, so Staatsministerin Melanie Huml.

IMBAY-2020 besteht aus drei Teilprojekten: eines zum Reizdarmsyndrom und eines für Morbus-Crohn-Betroffene (Interventionsstudie). Im dritten Teilprojekt wird unter gemeinsamer Federführung der Universität und des Universitätsklinikums Würzburg eine bayernweite Umfrage unter Unikliniken und anderen Krankenhäusern zum Status der Integrativen Medizin durchgeführt. Ziel ist es, einen Überblick über das Spektrum und die Akzeptanz naturheilkundlicher Verfahren und Lebensstil-Interventionen in unterschiedlichen Fachgebieten zu gewinnen.

Quelle: Pressemitteilung "Integrative Medizin - das Beste aus zwei Welten", Universität Würzburg, 17. Februar 2020

Kunsttherapie für Krebspatienten

Filderklinik KunsttherapieBerlin, 5. März 2020. Das Centrum für Integrierte Onkologie Bonn (CIO) am Universitätsklinikum Bonn (UKB) erweitert das Behandlungsangebot für KrebspatientInnen um Kunsttherapie. Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt mit dem Forschungsinstitut für Künstlerische Therapien an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft.

Die für die PatientInnen kostenfreie Therapieform hat Anfang Februar 2020 begonnen und wird wissenschaftlich begleitet. „Schwierige Lebenssituationen sind oftmals überwältigend und machen sprachlos. Vor allem bei schweren Krankheiten fühlen sich viele Patienten überfordert, empfinden Angst, Wut oder auch Verzweiflung“, sagt Harald Gruber, Professor für Kunsttherapie an der Alanus Hochschule.

Verschiedene aktuelle Studien zeigen, dass die Kunsttherapie den PatientInnen helfen kann, mit der Krankheit besser zurechtzukommen. Mit dem neuen Angebot bietet das Centrum für Integrierte Onkologie Bonn (CIO) am UKB den PatientInnen eine Möglichkeit, selbst aktiv zu werden und neue Verarbeitungs- und Ausdrucksmöglichkeiten zu finden.

VertreterInnen des Bonner Centrums für Integrierte Onkologie und der Alanus Hochschule werden die Erfahrungen der PatientInnen wissenschaftlich überprüfen. So wollen sie klären, ob und in welchem Umfang die psychischen Belastungen der PatientInnen reduziert werden können. Die Kunsttherapie am CIO Bonn kann zu jedem Zeitpunkt der Erkrankung begonnen werden und als begleitendes Verfahren die notwendigen Therapien unterstützen. Eine Anmeldung ist jederzeit möglich.

Kontakt & Anmeldung

Wann und wo? Donnerstags 18 – 19.15 Uhr, Universitätsklinikum Bonn (UKB)

Maria Meixner, Kunsttherapeutin M.A., Telefon 0228- 287-17048
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Mehr Gesundheitsförderung für Kinder mit Migräne!

pexels KopfschmerzBerlin, 5. März 2020. Kürzlich wurde eine Studie, an der die Universitäten Coburg, Basel und Boston beteiligt waren, veröffentlicht, die zeigt, dass Medikamente in der Migräneprophylaxe bei Kindern nicht wirksamer sind als Placebo. Die Studie kommt zu dem Schluss: „Eine Änderung des Lebensstils mit einem verhaltenstherapeutischen und psychologischen Ansatz ergänzt durch Entspannungstechniken sind einer Dauermedikation vorzuziehen.“

Die Netzwerk-Metanalyse umfasst 23 bestehende Studien an mehr als 2.200 PatientInnen. Die Studienleiterin fasst zusammen: „Insgesamt sind alle Medikamente, die bei der Migräneprophylaxe bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt werden, von zweifelhaftem Nutzen. […] Es besteht bisher nur eine schwache wissenschaftliche Evidenz, dass man solche Medikamente bei Kindern überhaupt einsetzen sollte.“

In einem begleitenden Editorial wurde darauf hingewiesen, dass die am besten geeignete Migräneprophylaxe bislang in gesundheitsfördernden Maßnahmen, wie Ernährung, Bewegung und Entspannung bestehe. Außerdem seien ausreichend Schlaf und ein bewusster Umgang mit dem eigenen Körper der Schlüssel zur Beschwerdelinderung. Neben der Migräneprophylaxe sei es wichtig, dass die Kinder lernen, die Migräneschübe früh zu erkennen und dann rechtzeitig die akute Schmerzmedikation einzunehmen.

Quelle: Pressemitteilung "Migräne bei Kindern - neue Studie belegt: Gesundheitsförderung wirksamer als Medikamente", Hochschule Coburg, 19. Februar 2020

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