Kind hüpft vor Freude

ExpertInnen fordern Richtungswechsel für die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen

Berlin, 1. Juni 2020. „Solidarität ist keine Einbahnstraße: Kindern wird gerade sehr viel abverlangt, während ihre eigenen Bedürfnisse und Belange kaum ernstgenommen und berücksichtigt werden!“ Zu dieser Einschätzung kommt eine aktuelle Stellungnahme einer Gruppe von PädagogInnen, KinderärztInnen sowie Kindergarten- und SchulärztInnen aus dem Umfeld der Universität Witten/Herdecke. Die ExpertInnen hatten sich mit der Frage beschäftigt, wie Kinder und Jugendlichen wieder zu kindgerechteren Lebensumständen finden können. In der Arbeitsgruppe, die die Stellungnahme verfasst hat, bringen sich auch bekannte anthroposophische KinderärztInnen ein.

Positivere Wahrnehmung von Kindern gefordert

Die ExpertInnen fordern einen klaren Richtungswechsel im Umgang mit Kindern und Jugendlichen: „Kindern darf nicht eine Verantwortung für Leben und Sterben ihrer Mitmenschen aufgebürdet werden. Jedoch wird ihnen aktuell vermittelt, dass sie anderen schaden und sie sogar gefährlich für ihre nächsten Angehörigen, insbesondere die geliebten Großeltern sind. Es geschieht hier eine nicht gerechtfertigte Beziehungsstörung zwischen Kindern und Großeltern. Kinder sollten lernen, dass sie der Welt und den Mitmenschen Freude, Lachen, Kraft, Hoffnung und Liebe bringen!“

Warnung vor neuen Gesundheitsrisiken

Gleichzeitig warnen die ExpertInnen vor starken Gesundheitsrisiken für Kinder und Jugendliche: „Unmäßige und mit Angst vermittelte Hygienemaßnahmen führen gehäuft zu entsprechenden psychischen Belastungen. Auch Abstandsregeln führen am falschen Ort und zur falschen Zeit zu zwischenmenschlichen Verhaltensstörungen.“ Klar wird: Statt Angst und Unsicherheit sollten gerade Kinder und Jugendliche besonnene und verlässliche Erwachsene erleben, die eigene Ängste, soweit vorhanden, nicht anderen aufbürden. Verbindliche und sichere Lebenswelten wie Schule und Kita müssen in kürzester Zeit – epidemiologisch begleitet – wieder geöffnet werden.

Bundesweit unterschiedliche Regelungen

Inzwischen haben auch weitere Fachgesellschaften und Verbände, die sich für die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen einsetzen, für die weitere Öffnung von Kitas und Schule plädiert. In den unterschiedlichen Bundesländern gelten verschiedene Regelungen. Eine flächendeckende und uneingeschränkte Öffnung aller Schulen und Kitas wird es jedoch bis zu den Sommerferien nicht mehr geben.

Eine » gemeinsame Stellungnahme, die den Blick präventiv in die Zukunft richten möchte, gibt es auch vom Bund der Freien Waldorschulen und der Medizinischen Sektion am Goetheanum, Schweiz.

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Zur » Stellungnahme der PädiaterInnen und PädagogInnen aus Herdecke

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