Deutscher Bundestag / Plenum

Auch zum Jahresende beherrscht Corona die Schlagzeilen. Die Fallzahlen sind hoch, die Intensivstationen füllen sich, die Politik reagiert erneut mit harten Beschränkungen. Obwohl der Großteil der Deutschen hinter den Maßnahmen steht, regt sich doch auch Kritik. Auch daran, dass einige Politiker geradezu genüsslich Angst und Schrecken verbreiten. Vielen, die durchaus keine Corona-Leugner sind, geht das zu weit. Es wird also inzwischen endlich wieder breiter debattiert. Das ist eine gute Entwicklung. Und auch, dass sich viele ExpertInnen für einen differenzierten Umgang mit der Pandemie stark machen, stimmt zuversichtlich. Zuversichtlich stimmen auch zwei weitere Meldungen: In Süddeutschland wurde eine Forschungsinitiative für Integrative Medizin gebildet, die vom Land Baden-Württemberg gefördert wird. Und das anthroposophische Krankenhaus Havelhöhe schickt sich an, bis 2030 das erste „Zero Emission Hospital“ in Deutschland zu werden. Das ist gelebte ökologische Medizin, oder?

 

Die Meldungen:

» Corona: Strategiewechsel gefordert
» KinderärztInnen fordern: Lasst die Schulen offen!
» Neue Forschungs-Initiative in Baden-Württemberg
» Zero Emission: Kick-off im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe

 

Corona: Strategiewechsel gefordert

covid 19 PixabayBerlin, 3. Dezember 2020. Politisch dominieren in der Kommunikation zu Corona düstere Bilder und Untergangsszenarien. Dabei scheiden sich an der Interpretation der aktuellen Entwicklung der Pandemie in Deutschland die Geister. Es gibt durchaus ExpertInnen, die keine „zweite Welle“ sehen, sondern ein kontinuierliches Ansteigen der Zahlen. Ein kleiner, aber feiner Unterschied.

Kritisches Thesenpapier vorgelegt

Zu diesen und anderen Themen hat eine Gruppe von ExpertInnen, zu denen auch die ehemaligen Gesundheitsweisen Professor Matthias Schrappe (Universität Köln) und Professor Gerd Glaeske (Universität Bremen) sowie der BKK-Dachverbandsvorsitzende Franz Knieps gehören, ein neues Thesenpapier vorgelegt und unter anderem dazu geraten, auch in der Risikokommunikation positive Nachrichten hervorzuheben.

Neue Konzepte für schutzbedürftige Gruppen?

Die multidisziplinäre Gruppe bezeichnet in ihrem sechsten Diskussionsbeitrag seit Beginn der Pandemie einen Strategiewechsel als unvermeidlich. Die ExpertInnen empfehlen, statt pauschaler Maßnahmen gezielte Konzepte für schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen zu entwickeln, da eine Strategie der Kontaktverfolgung alleine nicht ausreiche. Außerdem fordern sie, repräsentative Kohortenstudien anzustoßen, um mehr valide Zahlenwerte zu bekommen, die zum Beispiel auch berücksichtigen, ob Zahlen im Sommer oder Winter erhoben werden. Die Autoren schlagen darüber hinaus vor, die „7-Tage-Melderate“ durch einen Index zu ersetzen, der stärker zwischen der sporadischen Ausbreitung und leichter zu kontrollierenden Clustern wie zum Beispiel in einem Fleisch verarbeitenden Betrieb differenziert.

Quellen:
„Thesenpapier 6 / Die Pandemie durch SARS-CoV-2/CoViD-19 - Zur Notwendigkeit eines Strategiewechsels“, 22. November 2020

 

KinderärztInnen fordern: Lasst die Schule offen!

pexels Kind Schule gabby K FBBerlin, 3. Dezember 2020. So wie im Frühjahr soll es nicht noch einmal werden: Kitas und Schulen blieben wochenlang geschlossen (eine ungeeignete Maßnahme, wie wir heute wissen), viele Familien fühlten sich komplett alleingelassen, nicht wenige Kinder gerieten durch Bildungs- und Entwicklungsdefizite in echte Not.

In diesem Herbst nun machen sich zahlreiche ExpertInnen für die Rechte von Kindern und Jugendlichen stark. Flankiert werden die Forderungen nach abgeschwächten Beschränkungen für Kinder von neuen Forschungsergebnissen. Eine Auswertung von Daten von mehr als 110.000 Kindern aus Bayern hat zum Beispiel ergeben, dass Schulen und Kitas nach wie vor keine Infektionsherde sind.

Schulen und Kitas vergleichsweise sicher

Entsprechend haben sich verschiedene Fachgesellschaften (Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin, Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene) dafür ausgesprochen, Kitas und Schulen offen zu lassen. Voraussetzung ist, dass die Hygieneregeln eingehalten werden: „Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder (Schulen und Kindertagesstätten) sind bei Einhaltung der in den Hygieneplänen vereinbarten Schutzmaßnahmen vergleichsweise sichere Orte und keine Treiber dieser Pandemie. Einzelne Fälle von SARS-CoV-2 Infektionen werden in die Einrichtungen hereingetragen, es kommt aber nur selten zur Ausbreitung auf weitere Personen.“

Kritisch sehen die ÄrztInnen die Kontaktbeschränkungen für Kinder: „Kontaktbeschränkungen auf ‚einen Freund‘ / ‚eine Freundin‘ außerhalb der Kindertagesstätte oder Schule bei Kindern unter 10 Jahre sind eine belastende Maßnahme, die einen untergeordneten Einfluss auf das gesamte Infektionsgeschehen hat.“

AHA-Regeln an Schulen

Die MedizinerInnen sprechen sich für die strenge Einhaltung der AHA-Regeln (Abstand, Händehygiene, Alltagsmaske) und das regelmäßige Lüften aus: „In der jetzigen Ausnahmesituation müssen alle Möglichkeiten der Prävention von Infektionen genutzt und die Bevölkerung zur Umsetzung motiviert werden, insbesondere damit die Gemeinschaftseinrichtungen offen und funktionsfähig gehalten werden können.“ Die Umsetzung der Hygienevorgaben sollte je nach Alter differenziert gehandhabt werden.

Quelle:
„Pädiater: Unterricht in Schulen ‚absolut notwendig‘", Ärzte Zeitung, 17. November 2020

TeilnehmerInnen gesucht: Studie zu Masken im Kindesalter

Um die Maskenpflicht im Unterricht wird seit Wochen heftig gestritten. Wissenschaftliche Evidenz für das Tragen von Masken im Kindesalter gibt es bis jetzt jedoch kaum. Das möchte das Team um Prof. Dr. David Martin vom Lehrstuhl für Medizintheorie, Integrative und Anthroposophische Medizin an der Universität Witten/Herdecke ändern und ruft Eltern, PädagogInnen und ÄrztInnen dazu auf, ihre Erfahrungen – ob gut, ob schlecht – bei Kindern, die Masken tragen, in einen Online-Fragebogen einzutragen, um die Ergebnisse wissenschaftlich auswerten zu können.

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Neue Forschungs-Initiative in Baden-Württemberg

Foschungsinstitut Pexels GustavoFringBerlin, 3. Dezember 2020. Gute Nachrichten für die Integrative Medizin im Ländle: WissenschaftlerInnen der vier baden-württembergischen Universitätskliniken und rund zwanzig Kliniken haben sich zur Initiative „Komplementäre und Integrative Gesundheitsversorgung in Baden-Württemberg (KIG BaWü)“ zusammengeschlossen. Zur Umsetzung dieser Forschungs- und Praxisinitiative bündeln das Akademische Zentrum für Komplementäre und Integrative Medizin (AZKIM) und das Kompetenznetz Integrative Medizin (KIM) zukünftig ihre Kräfte.

Land Baden-Württemberg fördert

Ziel von KIG BaWü ist es, das Erfahrungswissen zusammenzustellen und erfolgversprechende Ansätze interdisziplinär zu erforschen, was von PatientInnen und Selbsthilfegruppen seit langem gefordert wird. Ein solches Angebot fehlt bisher jedoch weitgehend. Das Land Baden-Württemberg fördert die neue Initiative mit 1,16 Millionen Euro für 22 Monate.

Inhaltlich soll es unter anderem um die unterstützende Behandlung von Krebserkrankungen, die Stabilisierung von Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen sowie die Behandlung von Atemwegs- und Harnwegsinfektionen gehen: Komplementärmedizinische Konzepte können z.B. dazu beitragen, Lebensqualität zu verbessern, Nebenwirkungen onkologischer Therapien zu lindern und den Betroffenen zu einem gesundheitsfördernden Lebensstil anregen.

Ergebnisse sollen ins Ausbildung einfließen

Mit Hilfe neuer wissenschaftlicher Methoden und Testverfahren sollen ferner die funktionellen Effekte und Wirkungsmechanismen von pflanzlichen Präparaten, Nahrungsergänzungsmitteln, veganer Ernährung, Akupunktur und Entspannungsverfahren erforscht werden. Gleichzeitig soll die praktische Anwendung einzelner Verfahren im Rahmen von Versorgungsforschungsstudien evaluiert werden. Die Erkenntnisse fließen in medizinische und interprofessionelle Aus-, Weiter- und Fortbildungsformate innerhalb und außerhalb der Universitätsklinika ein.

Quelle:
„Konventionelle und komplementäre Medizin auf wissenschaftlicher Basis vereinigen“, idw-online.de, 6. November 2020

 

Zero Emission: Kick-off im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe

Herz gruen pexelsBerlin, 3. Dezember 2020. Gesundheit der Menschen ohne Gesundheit der Erde ist nicht denkbar: „Die Klimakrise ist ein medizinischer Notfall“. Das ist das Leitmotiv der 2020 im anthroposophischen Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe gegründeten Klimaschutzgruppe „Health for Future Havelhöhe“. Mit dem Ziel, sich konkret und regional für den Klimaschutz einzusetzen und gleichzeitig über die Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Gesundheit aufzuklären, arbeiten die VertreterInnen aller Gesundheitsberufe in Havelhöhe zusammen.

Anfang November 2020 hat die Gruppe nun ein Kick-off-Symposium „Luft fürs Klima“ veranstaltet, um ein Leuchtturm-Projekt für eine ökologische Medizin auf den Weg zu bringen. Das Krankenhaus Havelhöhe will das erste Zero-Emission-Hospital in Deutschland bis 2030 werden. Am Symposium haben auch international tätige ExpertInnen teilgenommen und gemeinsam diskutiert, wie das hoch gesteckte Klimaziel erreicht werden kann: „Hier an diesem Ort setzen wir das weltweit gesetzte Pariser Klimaabkommen einfach um und übernehmen eine Vorreiter-Funktion: Wir setzen uns dieses Ziel bereits bis 2030, denn die 1,5-Grad-Grenzen der Erderwärmung muss unser aller Ziel sein“, so Projektleiter Dr. med. Christian Grah vom Krankenhaus Havelhöhe.

„Health for Future Havelhöhe“ will alle MitarbeiterInnen im Krankenhaus und auf dem Campus Havelhöhe mit dieser Initiative anstecken und darüber hinaus mit dem Bezirk und der Region zusammen an den Klimazielen von Paris arbeiten.

Quelle:
Hier geht’s zum Video des Symposiums zum Kick-off der Klimaschutzgruppe in Havelhöhe: 

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