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Politisch ging es im Oktober natürlich vor allem um die Regierungsbildung. Die Gesundheitspolitik hat in den Sondierungsgesprächen allerdings (mal wieder) kaum eine Rolle gespielt – und das trotz anderthalb Jahren Pandemiegeschehen mit allem, was dazu gehört! Dabei leiden viele unter den Entwicklungen der letzten Monate. Neue Studien zeigen zum Beispiel, dass Depressionen und Angsterkrankungen weltweit drastisch zugenommen haben. Unser Umgang mit Pandemien wäre also durchaus eine Debatte wert. Auf dem 12-seitigen Ergebnispapier, mit dem es in die Koalitionsverhandlungen gehen soll, nimmt das Thema Medizin und Gesundheit aber gerade mal 18 Zeilen ein. Das ist kein gutes Signal.

Dass es durchaus auch konkreter und innovativer geht, macht in Bayern der dortige Gesundheitsminister Klaus Holetschek vor, der sich kürzlich ganz explizit für mehr Integrative Medizin stark gemacht hat und einen entsprechenden Lehrstuhl fordert. Und noch weitere gute Nachrichten aus der Integrativen Medizin: Ab sofort ist der Mistelhersteller ABNOBA GmbH mit dem forschenden Carl Gustav Carus-Institut in Öschelbronn unter einem Dach vereint.

Im Grunde ist es ja ganz einfach: Gesunde Menschen gibt es nur auf einem gesunden Planen. Auch die Weltgesundheitsorganisation hat das Thema im Visier und hat kürzlich strengere Grenzwerte für Luftschadstoffe empfohlen. Denn schon heute hat der Klimawandel gravierende Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, auch in Deutschland. Deshalb machen sich auch hierzulande immer mehr Gesundheitsberufe dafür stark, Veränderungen zum Klimaschutz anzustoßen.

Eine echte Herausforderung für die Medizin sind auch die chronischen Erkrankungen, die heute einen Großteil der Ressourcen im Gesundheitswesen binden. Nun kommt eine neue Studie zu dramatischen Ergebnissen: In der Generation X (geboren zwischen 1965 und 1979) hat bereits jeder Dritte vor dem 50. Lebensjahr mehrere chronische Gesundheitsprobleme. Zum Schluss aber noch gute Nachrichten aus der Integrativen Medizin: Eine Studie hat ergeben, dass die Mehrzahl der Eltern bei ihren Kindern auf komplementärmedizinische Verfahren wie Homöopathie oder Osteopathie setzen – und damit gute Erfahrungen gemacht haben.

Die Zeit der Koalitionsgespräche (die sich hinziehen wird) ist immer auch die Zeit, auf dem politischen Parkett für das eigene Anliegen einzutreten. In der Gesundheitspolitik fordern jetzt zwei Berufsgruppen, die sonst oft überhört werden, selbstbewusst einen Wandel in der Medizin: Die Künstlerischen Therapien und die Pflege. Auch die Anthroposophische Medizin ist beteiligt.

Die Pflege bleibt ein Dauerbrenner. Während sich die Regierung mit ihrer „Konzertierten Aktion Pflege“ vor allem selbst lobt, kritisieren viele ExpertInnen, dass zu wenig getan wurde, um den Beruf wirklich strukturell und finanziell aufzuwerten. Eigentlich eine Tragödie, denn viele Menschen interessieren sich sehr für pflegerische Tätigkeiten. Wie eine menschenwürdige Pflege aussehen sollte, erzählt zum Beispiel Rolf Heine, Experte für Anthroposophische Pflege, im » Podcast der Kampagne „weil’s hilft – Naturmedizin und Schulmedizin gemeinsam“. Interessant ist dazu auch ein neues Studienvorhaben, mit dem geklärt werden soll, was es braucht, damit ausgebildete Pflegekräfte in den Beruf zurückkehren oder ihre Stunden erhöhen. Hier schlummert noch einiges an Potenzial.

Natürlich gab es auch wieder Corona-Debatten - um die Impfquote, um Impfdurchbrüche, auch um den Inzidenzwert als alleinigen Maßstab. Eine positive Nachricht ging ziemlich unter: In einer Studie wurde gezeigt, dass Menschen, die sich grundsätzlich gesund ernähren, seltener schwer an Covid-19 erkranken. Eine ganz andere Debatte gab und gibt es um die Pränataldiagnostik: Der Gemeinsame Bundesausschuss hat den pränatalen Bluttest zur Entdeckung von Trisomien nun final als Kassenleistung durchgewunken. Keine gute Nachricht für eine Gesellschaft, die sich ansonsten allerorten um mehr Diversität bemüht.

Ziemlich krank, oder? Oft wird in der Medizin vor allem ÜBER PatientInnen entschieden statt MIT ihnen. Dass es auch anders geht, soll das erste Bürgergutachten Gesundheit zeigen. Per Zufallsprinzip werden ganz normale BürgerInnen ausgewählt, die mit ExpertInnen an der Frage arbeiten, welche Medizin wir wirklich wollen. Initiiert wird das Gutachten von GESUNDHEIT AKTIV und dem Verein NATUR UND MEDIZIN.

Wird der Klimawandel das nächste große Thema im Gesundheitswesen? Es wäre höchste Zeit. Inzwischen warnen immer mehr Initiativen, Verbände und Fachgesellschaften vor wachsenden gesundheitlichen Folgen des Klimawandels und machen sich für einen Wandel in der Klimapolitik stark. Heute bekommt das Thema – sehr angemessen – auch in den Medien mehr Raum, während solche Warnungen früher nur gehört wurden, wenn es im Sommer extrem heiß wurde. In den vergangenen Wochen haben sich unter anderem die "Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit" (KLUG) sowie das Aktionsnetzwerk "Health for Future" mit neuen Positionspapieren und Vorschläge in die Debatte eingebracht.

Neue Ansätze für das Gesundheitswesen fasst auch eine aktuelle Zukunftsagenda der Robert Bosch Stiftung zusammen, die einen klaren Neustart in Gesundheit und Medizin fordert. Wenig innovativ liest sich hingegen das gesundheitspolitische Wahlprogramm der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, das kürzlich veröffentlicht wurde. Leider spielt die Integrative Medizin als neue Perspektive keine Rolle, obwohl es zwischenzeitlich schon mal anders ausgesehen hatte.