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Ausnahmsweise mal zwei positive Auswirkungen der Pandemie: Erstens, Bayern fördert ein innovatives Projekt zur Behandlung von Post-COVID – kommt die Integrative Medizin hierbei auch in die Regelversorgung? Zweitens, durch die Pandemie (und damit weniger „normale“ Infekte) sind die Antibiotika-Verordnungen 2020 auf einen historischen Tiefstand gesunken. Und noch zwei weitere gute Nachrichten: Die Uniklinik Ulm sucht für ein Beratungsprogramm zur Integrativen Onkologie noch Teilnehmer:innen. Und eine andere Studie zeigt: Wer das Altern sinnerfüllt erlebt, lebt länger!

Die Meldungen:

» Bayern stärkt Integrative Medizin bei Post-COVID
» Pandemiebedingt: Weniger Antibiotika verordnet
» Um: Studie zu Beratungsprogramm Integrative Onkologie
» Inklusion in allen Ressorts stärken
» Sinnfindung im Alter = längeres Leben

 

Bayern stärkt Integrative Medizin bei Post-Covid

pexels ron lach LongCovidBerlin, 5. April 2022. Bayern geht innovative Wege in der Behandlung von Post-COVID: Die Staatsregierung fördert ein Projekt der Klinik für Integrative Medizin und Naturheilkunde der Sozialstiftung Bamberg, um die Behandlung von Post-COVID zu erweitern. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek kommentierte: „Post-COVID ist ein komplexes und vielfältiges Krankheitsbild, das Experten zufolge etwa zehn Prozent aller an COVID-19-erkrankten Erwachsenen betrifft. Die integrative Medizin kann uns bei der Therapie dieser Spätfolgen helfen, indem sie die Möglichkeiten der konventionellen Medizin und der Naturheilkunde in einem ganzheitlichen Ansatz bestmöglich verbindet.“

Übernahme in die Regelversorgung?

Im geförderten Projekt werden konventionelle Medizin und wissenschaftlich fundierte Naturheilkunde mit gesundheitsfördernden Modifikationen des Lebensstils verzahnt. Zudem soll festgestellt werden, inwiefern die Therapieansätze für eine Übernahme in die Regelversorgung geeignet sind: „Wenn es erfolgreich ist, kann das deutschlandweit einzigartige Bamberger Projekt einen wichtigen Beitrag bei der Behandlung des Post-COVID-Syndroms leisten und zugleich die wissenschaftliche Verankerung der integrativen Medizin stärken. Deshalb fördern wir es gerne über unsere bayerischen Förderinitiative mit rund 87.000 Euro.“

Ziele des geförderten Projekts „Forschungszyklus: Integrative Medizin und Naturheilkunde in der Behandlung des Post-COVID-Syndroms: Ein Multimodaler Therapieansatz“ sind eine kurz- und langfristige Reduzierung des Hauptsymptoms „Chronische Fatigue“, die Steigerung der Lebensqualität und die Wiederaufnahme der Erwerbsfähigkeit durch Anwendung integrativ-naturheilkundlicher Verfahren.

Mehr erfahren?

Betroffene Patient:innen, die sich für eine Teilnahme an dem Projekt interessieren, können sich direkt an die Forschungsabteilung der Klinik für Integrative Medizin und Naturheilkunde wenden: Telefon 0951-503-11650, E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Quelle:

„Holetschek: Bayern fördert innovative Therapien bei der Behandlung von Post-COVID – Gesundheitsminister: Integrative Behandlungsansätze bieten weitere Chancen für die Therapie betroffener Patienten“, Pressemitteilung Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, 11. März 2022

 

Pandemiebedingt: Weniger Antibiotika verordnet

GdM 02 22 webBerlin, 5. April 2022. Der Ausbruch der COVID-19-Pandemie im März 2020 hat zu deutlichen Veränderungen der Arzneimittel-Verordnungen geführt. Besonders deutlich wird das bei den Antibiotika-Verordnungen, die im 2. Quartal 2020 auf einen historischen Tiefstand gesunken sind. Und auch seitdem bewegen sich die Zahlen auf einem signifikant niedrigeren Niveau als in den Jahren zuvor.

Zu diesem Ergebnis kommt das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) auf Basis der Arzneimittelverordnungsdaten für den Zeitraum Januar 2016 bis Mai 2021. Wurden im Jahr 2019 noch 29,5 Millionen Antibiotika-Verordnungen ausgestellt, waren es 2020 nur noch 21,8 Millionen.

Rückgänge in allen Altersgruppen

Die Verordnungsrückgänge traten in allen Altersgruppen auf, sie sind aber – prozentual gesehen – bei den Kindern und Jugendlichen besonders deutlich. Bei den 0- bis 6-Jährigen haben sich die Verordnungszahlen im Vergleich zu 2019 fast halbiert (minus 44 Prozent). Mit einem Absinken um 35 Prozent ist der Effekt bei den 7- bis 18-Jährigen zwar etwas geringer, aber dennoch sehr deutlich. Absolut betrachtet ist der Effekt bei den 18- bis 65-Jährigen – nicht zuletzt auf Grund der Größe dieser Gruppe – am höchsten. Hier wurden 2020 rund 4,5 Millionen Verordnungen weniger (minus 26 Prozent) ausgestellt als in 2019.

Gründe für den Rückgang sind auch die pandemiebedingten Infektionsschutzmaßnahmen seit Frühjahr 2020, die zu weniger Atemwegsinfektionen geführt haben. Gleichzeitig sehen die Zi-Wissenschaftler:innen weitere Gründe: „Denkbar ist vielmehr auch, dass sich der Umgang mit Atemwegsinfektionen grundsätzlich verändert hat. Trotz Krankheitssymptomen am Arbeitsplatz zu erscheinen, obwohl eine Krankmeldung angezeigt wäre, ist im Zuge der Pandemie auf Grund des allgemeinen Infektionsrisikos deutlich kritischer bewertet worden als zuvor. Damit sinkt auch der empfundene oder tatsächliche Druck auf Beschäftigte, krank anwesend zu sein und dies im Notfall auch durch die Einnahme von Arzneimitteln wie Antibiotika sicherzustellen“.

Quelle:

„Massiver Einbruch bei Antibiotika-Verordnungen durch Corona-Pandemie“, Zentralinstitut kassenärztliche Versorgung (Zi), Grafik des Monats Februar 2022

 

Ulm: Studie zu Beratungsprogramm Integrative Onkologie

uterine 2906400 1920 KrebstherapieBerlin, 5. April 2022. Ob Misteltherapie, Qigong, Akupunktur oder pflanzliche Arzneimittel – das Angebot ist groß, wenn es um komplementärmedizinische Verfahren in der Krebstherapie geht. Welche dieser komplementären Therapien sind neben einer Behandlung mit konventionellen schulmedizinischen Methoden sinnvoll? Gibt es Risiken durch Wechselwirkungen? Um onkologische Patient:innen noch besser aufklären und beraten zu können, haben die vier baden-württembergischen Tumorzentren in Tübingen, Heidelberg, Freiburg und Ulm vor rund einem Jahr das Beratungsprogramm CCC-integrativ angestoßen.

Individuell zu Integrativer Onkologie beraten

Das Beratungsprogramm erforscht die evidenzbasierte Beratung von Krebspatient:innen im Bereich komplementäre Medizin und Pflege (KMP). Ziel des Programms ist es, Patient:innen in den ersten sechs Monaten nach ihrer Krebsdiagnose individuell zu Chancen und Risiken von KMP zu beraten. Um die Aussagekraft der bisherigen Beratungsergebnisse weiter zu erhöhen, werden vom Universitätsklinikum Ulm noch Studienteilnehmer:innen gesucht, die ihre onkologische Behandlung durch naturheilkundliche Verfahren unterstützen möchten.

„Patientinnen und Patienten, die an unserer Studie teilnehmen, erhalten innerhalb von drei Monaten mindestens drei umfangreiche und auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Beratungen. Diese werden von interprofessionellen Teams aus speziell geschulten Pflegenden sowie Ärztinnen und Ärzten durchgeführt“, erklärt Professor Klaus Kramer vom Ulmer Universitätsklinikum. „Wir erhoffen uns von dem Programm eine Verbesserung der Versorgung onkologischer Patientinnen und Patienten, indem wir ihre Gesundheitskompetenz und ihre Selbstwirksamkeit stärken“.

Onkologische Patient:innen, die am Universitätsklinikum Ulm behandelt werden und sich für eine Teilnahme an dem Programm interessieren, können sich direkt an den Fachbereich integrative Medizin wenden.

Mehr erfahren?

Weitere Infos zu CCC integrativ gibt es online beim » Universitätsklinikum Ulm

Interessiert an der Studie?

Bitte nehmen Sie direkt mit dem Universitätsklinikum Ulm Kontakt auf:

Universitätsklinikum Ulm
Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Fachbereich Integrative Medizin
Waltraut Kmietschak
Telefon: 0731-500 53550
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Inklusion in allen Ressorts stärken

pexels cliff booth InklusionBerlin, 5. April 2022. Deutschland ist auch 13 Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention noch weit von einer inklusiven Gesellschaft entfernt. Das erklärte das Deutsche Institut für Menschenrechte anlässlich des Jahrestags des Inkrafttretens der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland am 26. März 2022.

Ressortübergreifend denken und handeln

„Die Situation von Menschen mit Behinderungen wird in vielen Politikfeldern oft nur unzureichend mitgedacht. Um gleichberechtigten Schutz ihrer Gesundheit und Selbstbestimmung sicherzustellen, braucht es ein konsequentes ressortübergreifendes Disability Mainstreaming in Bund, Ländern und Kommunen. Das hat die Corona-Pandemie deutlich gezeigt“, so Leander Palleit, Leiter der Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention am Institut für Menschenrechte.

Nach Ansicht des Instituts sollten in Bundestag und Länderparlamenten nicht nur die Sozialausschüsse, sondern auch alle anderen Ausschüsse die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention als ihre Aufgabe begreifen und Bedarfe von Menschen mit Behinderungen berücksichtigen. „Alle Politiker und Politikerinnen vertreten unabhängig von ihrer fachlichen Spezialisierung immer das ganze Volk. Wir reden hier immerhin von rund einem Fünftel der Bevölkerung“, betonte Palleit. Viel zu oft würden Themen, die Menschen mit Behinderungen betreffen, beim Sozialressort verortet oder allein dessen Initiative überlassen.

Quelle:

„Institut fordert Disability Mainstreaming in Bund, Ländern und Kommunen“, Deutsches Institut für Menschenrechte, 25. März 2022

 

Sinnfindung im Alter = längeres Leben

pexels edu carvalho StudieAltWerdenBerlin, 5. April 2022. Menschen leben deutlich länger, wenn sie Altern als Entwicklungsprozess sehen. Forscher:innen der Universitätsmedizin Greifswald konnten in einer kürzlich veröffentlichten Studie belegen, dass Menschen, die mit dem Älterwerden persönliche Ziele und Pläne verbinden, ein weit längeres Leben erwarten können. Anhand von Überlebenszeitanalysen kamen die Wissenschaftler:innen zu dem Ergebnis, dass das Älterwerden zu erstaunlichen 13 Jahren Unterschied in der Lebenserwartung führen kann. Im Jahr 1996 wurden 2400 Studienteilnehmende des Deutschen Alterssurveys, damals zwischen 40 und 85 Jahre alt, zu ihrer Sicht auf das eigene Älterwerden befragt. Über die folgenden 23 Jahre wurde dokumentiert, wer wann verstarb (871 Personen).

Persönliche Weiterentwicklung als Gamechanger

In der Studie wurde insbesondere die Vielfalt des Alters beleuchtet. So wurde nicht nur die Rolle allgemein positiver Altersbilder für die Langlebigkeit untersucht, sondern auch zwischen unterschiedlichen Sichtweisen auf das Älterwerden, die Menschen mit Blick auf einzelne Lebensbereiche haben, differenziert. Dadurch konnte verglichen werden, welche dieser Sichtweisen tatsächlich für ein langes Leben bedeutsam sind: „Wir konnten nun erstmals zeigen, dass jene Menschen länger leben, die das Älterwerden mit einer persönlichen Weiterentwicklung verbinden, die also viele Ideen und Pläne realisieren und weiterhin neue Dinge lernen wollen. Bemerkenswert ist, dass es vergleichsweise unwichtig für ein langes Leben ist, ob Menschen das Älterwerden mit körperlichen oder sozialen Verlusten verbinden“, so eine der Autor:innen der Studie.

Aufgrund der positiven Ergebnisse kommen die Wissenschaftler:innen zu folgender Empfehlung: „Als Erzfeind des gesunden Alterns entpuppt sich die Einstellung, sich selbst zu beschränken, weil es für diesen Plan oder jene Aktivität vermeintlich schon zu spät sei. Menschen lernen ihr ganzes Leben lang negative Bilder vom Alter und neigen deshalb dazu, diese auf sich selbst anzuwenden, wenn sie dann alt sind. Diese Altersselbstdiskriminierung gilt es zu durchbrechen.“

Quelle:

Wurm, S., & Schäfer, S. K. (2022). Gain- but Not Loss-Related Self-Perceptions of Aging Predict Mortality Over a Period of 23 Years: A Multidimensional Approach. Journal of Personality and Social Psychology. Advance online publication

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