Plenum // Deutscher Bundestag

Gesetze im Eilverfahren: Im Zuge der Corona-Krise hat die Gesundheitspolitik gleich acht Gesetze für weitreichende Maßnahmen verabschiedet – auch zur finanziellen Unterstützung von Praxis, Klinik und Pflege. In den Medien hat Corona natürlich ebenfalls extrem dominiert. Gleichzeitig erleben wir viel Solidarität in der Gesellschaft – zum Beispiel in der Nachbarschaft. Und auch auf anderes Positives wollen wir aufmerksam machen: BürgerInnen konnten wählen, welche Themen wissenschaftlich stärker berücksichtigt werden sollten. Und neue Hoffnung für Rückenschmerzen-Geplagte: Placebos können sich hilfreich auswirken, wie eine Studie kürzlich zeigte.

Die Meldungen:

» Corona: Hilfe in der Krise
» BürgerInnen entscheiden über Forschung
» Placebos gegen Rückenschmerzen

 

Corona: Hilfe in der Krise

Klinik clipdealerBerlin, 1. April 2020. An einem einzigen Tag wurde gleich ein Bündel an Gesetzesänderungen beschlossen, einige durchaus mit weitreichenden Folgen. Die Politik hat sich bemüht, wirklich alle Lebensbereiche, die von Corona betroffen sein werden, zu berücksichtigen und Hilfen zu formulieren: Unternehmen, ArbeitnehmerInnen, Familien, Kliniken etc. – die Liste ist lang.

Das Gesetz zur Entlastung der Medizin sieht unter anderem vor, Kliniken für Ausfälle zu entschädigen, die durch die Verschiebung planbarer Eingriffe entstehen. Für jedes zusätzlich zur Verfügung gestellte Intensivbett mit Beatmungskapazitäten gibt es 50.000 Euro. Auch Vorsorge- und Reha-Einrichtungen sollen finanzielle Ausgleichszahlungen erhalten. Unterstützung bekommen auch VertragsärztInnen, wenn es in ihren Praxen aufgrund eines Fallzahlrückgangs zu Umsatzeinbußen kommt.

Sehr wichtig war auch die Verabschiedung des Infektionsschutzgesetzes, um die Befugnisse von Bund und Ländern, die in der Medizin oft wenig einheitlich sind, zu klären: „Die Zusammenarbeit zwischen Regierung, Opposition und Ländern hat sich in dieser Krise als stabil erwiesen – die Befugnisse der Regierung wurden zwar erweitert, aber Bundestag und Länder reden weiterhin mit. Außerdem sind die Maßnahmen zunächst auf ein Jahr befristet. So bleiben demokratische Grundrechte trotz Ausrufung einer Pandemie gewahrt“, kommentiert Barbara Wais, Geschäftsführerin des DAMiD.

BürgerInnen entscheiden über Forschung

Fragezeichen clipdealer.deBerlin, 1. April 2020. Oft heißt es ja (durchaus nachvollziehbar), medizinische Forschung gehe an den wahren Bedürfnissen von PatientInnen vorbei, weil sich die Forschung vor allem auf die Zulassung neuer und patentgeschützter Medikamente bezieht. Daher ist es schon etwas Besonderes, dass BürgerInnen über das » Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) seit 2017 die Möglichkeit haben, selber Vorschläge zu Forschungsthemen zu machen. Dazu erstellt das IQWiG HTA-Berichte (Health Technology Assessments) bzw. beauftragt externe Wissenschaftler-Teams, die den aktuellen Stand der Forschung zusammentragen.

Nun hat das IQWiG eine neue Liste mit Themen veröffentlicht, die die BürgerInnen interessieren und die das IQWiG aus den eingereichten Vorschlägen des Jahres 2019 für eine wissenschaftliche Untersuchung ausgewählt hat: Pflanzliche Mittel bei wiederkehrender Blasenentzündung, psychologische Begleitung von Kindern mit Herzerkrankung, Maßnahmen bei sozialer Isolation im Alter, Screening auf Vitamin-B12- und Vitamin-D-Mangel bei Senioren sowie die Feldenkrais-Methode bei Beweglichkeitsstörungen.

Weitere Infos online beim » IQWiG

Placebos gegen Rückenschmerzen

RückenschmerzenBerlin, 1. April 2020. Eine Studie der Universitätsmedizin Essen zeigte: PatientInnen mit chronischen Rückenschmerzen profitieren von einer Therapie mit Placebos. Der Schmerz wurde gelindert, außerdem fühlten sich die PatientInnen fitter und weniger depressiv – und das, obwohl die StudienteilnehmerInnen wussten, dass sie Placebos einnahmen. Der schmerzlindernde Effekt der Placebos war in etwa so hoch wie der eines nichtsteroidalen Antirheumatikums.

An der Studie hatten 127 PatientInnen mit chronischen Rückenschmerzen teilgenommen, die in zwei Gruppen unterteilt wurden – eine Gruppe erhielt die gleiche Behandlung wie zuvor, die zweite erhielt zusätzlich ein Placebo. Vor Studienbeginn war allen StudienteilnehmerInnen ein Video vorgeführt worden, das über den sogenannten Placeboeffekt und die neueste Studienlage zu möglichen positiven Effekten einer offenen Placebogabe informierte.

Im Ergebnis zeigte sich, dass die Gruppe, die mit Placebos behandelt worden war, eine signifikant stärkere Abnahme der Schmerzintensität aufwies, sich funktionell weniger eingeschränkt fühlte und angab, weniger depressiv zu sein. Die ForscherInnen sind der Überzeugung, dass das therapeutische Potenzial von Placebos weiter untersucht werden sollte: „Wenn wir die subjektive Schmerzlast der Patienten – und sei es auch nur bei einem Teil der Patienten – durch ein Aufklärungsvideo und die Ergänzung des Placeboeffektes nennenswert senken können, sollten wir diese Option nutzen“.

Literaturangabe

Kleine-Borgmann J, Schmidt K, Hellmann A, Bingel U. Effects of open-label placebo on pain, functional disability, and spine mobility in patients with chronic back pain: a randomized controlled trial. Pain 2019; 160 (12): 2891-2897: https://europepmc.org/article/med/31479068