Deutscher Bundestag / Plenum

Dass es höchste Zeit ist, die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen, die vom Lockdown besonders betroffen waren, endlich wieder mehr in den Fokus zu rücken, zeigt eine aktuelle Studie, der zufolge sich die psychische Gesundheit von Kindern während der Corona-Pandemie verschlechtert hat. Auch die Pflege braucht mehr Aufmerksamkeit: Das groß angekündigte Stellenprogramm für die Altenpflege kommt nicht auf Touren – die Gründe dafür liegen auf der Hand, werden aber trotzdem kaum angepackt. Dafür gute Nachrichten zum Schluss: Wenn wir endlich wieder ins Konzert oder ins Museum dürfen, tun wir auch aktiv etwas für unsere Gesundheit, wie eine britische Studie kürzlich herausgefunden hat. Und eine andere interessante Studie aus der Integrativen Medizin konnte erstmalig entschlüsseln, wie Weihrauch Entzündungen hemmt.

Die Meldungen:

» Kinder und Jugendliche leiden unter Corona
» Wenig Erfolg für Altenpflege-Stellenprogramm
» Weihrauch stark bei Entzündungen
» Länger leben durch Kunst & Kultur

Kinder und Jugendliche leiden unter Corona

Schulkinder clipdealerBerlin, 11. August 2020. Die Lebensqualität und die seelische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen haben sich während der Corona-Pandemie verschlechtert. Betroffen sind vor allem – wenig überraschend – Kinder aus sozial schwächeren Familien. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Befragt wurden mehr als 1.000 Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren und mehr als 1.500 Eltern.

„Wir haben mit einer Verschlechterung des psychischen Wohlbefindens in der Krise gerechnet. Dass sie allerdings so deutlich ausfällt, hat auch uns überrascht“, kommentiert die Leiterin der Studie, Dr. Ulrike Ravens-Sieberer: „Die meisten Kinder und Jugendlichen fühlen sich belastet, machen sich vermehrt Sorgen, achten weniger auf ihre Gesundheit und beklagen häufiger Streit in der Familie. Bei jedem zweiten Kind hat das Verhältnis zu seinen Freunden durch den mangelnden physischen Kontakt gelitten“. Die Forderung der AutorInnen der Studie: „Wir brauchen dringend Konzepte, wie wir die Familien in belasteten Phasen besser unterstützen können. Wir wissen, wenn die Eltern belastet sind, sind es auch die Kinder.“

Dass Kinder und Jugendliche besondere Bedürfnisse haben, haben in den vergangenen Wochen KinderärztInnen, PädagogInnen immer wieder betont. In einer neuen Stellungnahme fordern ExpertInnen eine kontrollierte Wiederaufnahme des regulären Betriebs von Bildungs- und Betreuungseinrichten, zumal es bislang keine Evidenz dafür gibt, dass Kinder einen bedeutsamen Faktor bei der Ausbreitung von Covid-19 darstellen.

Mehr Infos zur » Studie des UKE (Hamburg)

 

Wenig Erfolg für Altenpflege-Stellenprogramm

Pixabay 1686811 1920Berlin, 11. August 2020. Mit 13.000 zusätzlichen Stellen wollte die Bundesregierung für Entlastung in der Altenpflege sorgen. Nach eineinhalb Jahren fällt die Bilanz des Programms, das von Union und SPD im Rahmen des Pflegepersonal-Stärkungsgesetzes zum 1. Januar 2019 aufgelegt wurde, mager aus: Laut GKV-Spitzenverband wurden bis Mitte Mai 2020 nur 2.631 zusätzliche Stellen geschaffen.

Dass das groß angekündigte Stellenprogramm bisher seine Wirkung verfehlt, liegt auch daran, dass auf dem Arbeitsmarkt schlicht keine Altenpflegekräfte zu haben sind. Bärbel Bas, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, kommentierte kritisch: „Solange wir nicht endlich für bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege sorgen, werden solche Stellenprogramme ins Leere laufen“. Die Grünen forderten deshalb einen allgemein verbindlichen Tarifvertrag in der Pflege und eine Ausbildungsoffensive: Um die vor einem Jahr vorgestellte „Konzertierte Aktion Pflege“, die sich diese Themen auf die Fahnen geschrieben hat, sei es außerdem still geworden, kritisierte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt.

Quelle: „Altenpflege-Stellenprogramm kommt nicht auf Touren“, Ärzte Zeitung, 15. Juli 2020

 

Weihrauch stark bei Entzündungen

Weihrauch xbqs42PixabayBerlin, 11. August 2020. Einst brachten die Heiligen Drei Könige dem neugeborenen Jesuskind eine große Kostbarkeit mit: Neben Gold und Myrrhe verschenkten sie auch Weihrauch. Heute weiß man, dass Weihrauch durch die Blockade eines entzündungsfördernden Enzyms entzündungshemmend wirkt. Mit diesem Wirkmechanismus hat sich eine neue Studie der Universität Jena und der Louisiana State University befasst, die kürzlich in der Zeitschrift Nature Chemical Biology veröffentlicht wurde: „Das aus dem Stamm des Weihrauchbaumes gewonnene Harz enthält entzündungshemmende Substanzen, die es unter anderem für die Therapie von Krankheiten wie Asthma, rheumatoider Arthritis oder Neurodermitis geeignet machen“, erläutert einer der Forscher der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Verantwortlich für die Wirkung des Weihrauchs ist laut den Forschern die darin enthaltene sogenannte Boswelliasäure. Deren molekulare Wirkungsweise konnten die Wissenschaftler jetzt aufklären. Eine Schlüsselrolle spielt dabei das Enzym 5-Lipoxygenase, wie die ForscherInnen feststellten: „Das heißt, vereinfacht gesagt, der Weihrauchinhaltsstoff programmiert das Entzündungsenzym zu einem entzündungsauflösenden Enzym um“, so eine der beiden HauptautorInnen der Studie.

Studie: Structural and mechanistic insights into 5-lipoxygenase inhibition by natural products. Nathaniel C. Gilbert, Jana Gerstmeier, Erin E. Schexnaydre, Friedemann Börner, Ulrike Garscha, David B. Neau, Oliver Werz & Marcia E. Newcomer. Nature Chemical Biology volume 16, pages 783–790 (2020)

 

Länger leben durch Kunst & Kultur

Geige Pixabay 374096 1920Berlin, 11. August 2020. Gut für Körper und Seele: Wer häufiger in Konzerte, Ausstellungen oder ins Theater geht, fördert seine Gesundheit – und lebt sogar länger. Zu diesem Ergebnis ist eine aktuelle Studie des University College London gekommen, die kürzlich im British Medical Journal veröffentlicht wurde. Für die Studie wurden Daten einer britischen Langzeitstudie mit mehr als 6.000 TeilnehmerInnen über 50 Jahren ausgewertet.

Die Zahlen können sich sehen lassen: Laut der Studie senkt regelmäßiger Musik- und Kunstgenuss die Mortalität bei älteren Menschen sogar um bis zu 31 Prozent. Bei den TeilnehmerInnen, die keine kulturellen Aktivitäten unternahmen, starben im Schnitt sechs von 1.000 Teilnehmern im Verlauf der 14 Jahre. Bei denen, die mindestens alle paar Wochen dem Kunstgenuss frönten, waren es nur 2,4 Todesfälle pro 1.000. Ein Teil dieses positiven Effekts ist mit Bewegung, geistiger Anregung und sozialen Kontakten erklärbar, die mit solchen Aktivitäten verbunden sind, wie die Forscher im British Medical Journal erklären.

Das Interessante daran: Selbst, wenn andere Einflussfaktoren wie Alter, Gesundheit oder sozioökonomischer Kontext mit berücksichtig wurden, blieb ein Teil dieses positiven Effekts erhalten. Die ForscherInnen vermuten, dass ein großer Teil dieser positiven Wirkung darauf beruht, dass der Kunstgenuss uns Anregung für unseren Geist bietet – sowohl durch die Musik oder Kunst selbst als auch durch Kontakte mit anderen Menschen. Demnach kann nicht nur aktives Musizieren, Tanzen oder Theaterspielen Geist und Körper stärken – selbst ein passiver Genuss hat positive Effekte.

Studie: Fancourt, D. The art of life and death: 14 year follow-up analyses of associations between arts engagement and mortality in the English Longitudinal Study of Ageing. BMJ 2019;367:l6377