Vorbereitung Plenarsaal // Deutscher Bundestag

Kein Tag ohne Corona-News. Die Infektionszahlen sind wieder gestiegen, die Zahl der Tests allerdings auch. Strengere Maßnahmen werden angeordnet. Gleichzeitig fordern zahlreiche ExpertInnen eine bessere wissenschaftliche Unterfütterung der Maßnahmen. Die Debatte geht also weiter, teils auch mit sehr harschen Tönen. Neben dem Umgang mit der Pandemie ging es in der Gesundheitspolitik im September um eine nachhaltige (?) Krankenhausfinanzierung, dazu liegt ein neues Gesetz vor. Auch über das Corona-Defizit der Krankenkassen wird diskutiert – vor allem die BeitragszahlerInnen sollen zur Kasse gebeten werden. Ein grundsätzliches Umdenken in der Medizin – nämlich mehr Prävention – fordert eine Expertenrunde, die sich für den One-Health-Ansatz stark macht. Und noch etwas Positives: Eine neue Studie belegt die Wirksamkeit von Honig bei Atemwegsinfekten. An sich nicht so ganz neu, aber doch schön, dass dieses alte Erfahrungswissen nun auch wissenschaftlich belegt wurde.

Die Meldungen:

» Corona: Mehr Wissenschaft, bitte!
» Vorfahrt für Prävention gefordert
» Eine harte Nuss: nachhaltige Finanzierung der Krankenhäuser
» Honig stark bei Atemwegsinfekten

 

Corona: Mehr Wissenschaft, bitte!

Masken pexels anna shvetsBerlin, 5. Oktober 2020. Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass wir uns zunächst auf ein Leben mit SARS-CoV-2 einstellen müssen. Umso wichtiger, dass wir uns auf belastbare Daten zu den bisherigen Maßnahmen stützen können – das hat im September das » Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin in einer Stellungnahme gefordert: „Es gibt insgesamt noch sehr wenig belastbare Evidenz, weder zu COVID-19 selbst noch zur Effektivität der derzeit ergriffenen Maßnahmen, aber es ist nicht auszuschließen, dass die trotz weitgehend fehlender Evidenz ergriffenen Maßnahmen inzwischen größeren Schaden anrichten könnten als das Virus selbst. Jegliche Maßnahmen sollten entsprechend wissenschaftlich begleitet werden, um den Nutzen und Schaden bzw. das Verhältnis von Nutzen und Schaden zu dokumentieren. Es werden insbesondere randomisierte Studien dringend benötigt um die politischen Entscheidungen angemessen zu stützen.“

Das Argumentationspapier hat viel Zustimmung und auch viel Kritik hervorgerufen, die AutorInnen kommentieren: „Unsere Absicht war keine Polarisierung der Debatte und keine pauschale Ablehnung von Pandemiemaßnahmen, sondern eine Einladung zur kritischen Reflexion und konstruktiven Zusammenarbeit zur Bewältigung der Krise. Wir wünschen uns, dass Entscheidungen wissenschaftsbasiert, transparent und verantwortungsbewusst getroffen werden, unter Abwägung von Nutzen und Schaden für die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen.“

Auch die » Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat Ende September eine neue Stellungnahme veröffentlicht – hier fordern die WissenschaftlerInnen vor allem bundesweit verbindliche, wirksame und einheitliche Regeln sowie eine konsequentere Umsetzung der Maßnahmen.

Quellen:
„COVID-19 – wo ist die Evidenz?“, Deutsches Netzwerk für Evidenzbasierte Medizin, 8. September 2020
„Coronavirus-Pandemie: Wirksame Regeln für Herbst und Winter aufstellen“, Leopoldina, 23. September 2020

 

Vorfahrt für Prävention gefordert

Praevention PexelsBerlin, 5. Oktober 2020. Weniger Reparaturmedizin, dafür mehr Prävention und Vorsorge: Rund 40 GesundheitsexpertInnen – darunter Haus- und FachärztInnen sowie VertreterInnen von Krankenkassen und Patientenorganisationen – haben im September 2020 in der » Berliner Erklärung zu einem Paradigmenwechsel in der Medizin aufgerufen. In der Erklärung haben die Fachleute zehn Handlungsfelder für eine „Gesundheitsvorsorge der Zukunft“ definiert und dafür interessante Ideen und Konzepte zusammengetragen. Die Initiative wurde von Pfizer finanziell unterstützt.

„Konsequent gedachte Vorsorge muss weit über die Grenzen des Gesundheitssystems hinausreichen und viele gesellschaftliche Bereiche wie Bildung, Arbeit, Verkehr oder Umwelt miteinschließen“, sagte der wissenschaftliche Leiter der Initiative, der Gesundheitsökonom Prof. Reinhard Busse. Das seit 2015 geltende Präventionsgesetz greife zu kurz. Deutschland brauche eine Health in All Policies. Künftige Gesundheitsvorsorge sei über die Sozialgesetzbücher hinaus zu gestalten. So müsse Gesundheit in jedem Politikbereich – nicht nur im Gesundheitsressort – verankert werden, zeigen sich die InitiatorInnen der Berliner Erklärung überzeugt. Der Fokus müsse endlich von der Verhaltens- zur Verhältnisprävention in den Lebenswelten rücken, so die ExpertInnen.

Quellen:
„Berliner Erklärung – Gesundheitsvorsorge der Zukunft“, September 2020
„Experten-Bündnis fordert Vorfahrt für Prävention“, Ärzte Zeitung, 24. September 2020

 

Eine harte Nuss: nachhaltige Finanzierung der Krankenhäuser

Herdecke OP WebBerlin, 5. Oktober 2020. Mitte September hat der Bundestag das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) beschlossen. Das Gesetz ist Teil eines (in seiner Gesamtheit) 130 Milliarden Euro schweren Konjunkturprogramms. Das Gesetz bedarf keiner Zustimmung durch den Bundesrat, es tritt voraussichtlich im Oktober in Kraft. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wies darauf hin, dass es sich dabei um die größte Summe handele, die überhaupt jemals im stationären Sektor investiert worden sei.

Die wichtigsten Inhalte des Gesetzes sind unter anderem ein „Krankenhauszukunftsfonds“ (drei Milliarden Euro) für die Ausstattung der Krankenhäuser (vor allem Notfallkapazitäten und digitale Infrastruktur). Das Gesetz sieht aber auch vor, die Länder NICHT aus der Pflicht der Investitionskostenfinanzierung im stationären Bereich zu entlassen. So muss jedes Vorhaben von den Ländern zu 30 Prozent kofinanziert werden. Auch die Krankenhausträger können sich an der Kofinanzierung beteiligen. Außerdem wird die Laufzeit des Krankenhausstrukturfonds um zwei Jahre verlängert.

Auch Corona ist in das Gesetz eingeflossen: Nicht nur die Pflegekräfte in den Krankenhäusern sollen eine Corona-Prämie von bis zu 1500 Euro bekommen, wie es ursprünglich vorgesehen war, sondern alle MitarbeiterInnen in kritischen Bereichen, einschließlich der Reinigungskräfte.

Gleichzeitig geht die Debatte um das Fallpauschalensystem (DRG) weiter. Grüne und Linke haben jeweils Positionspapiere vorgelegt – auch im Zuge ihrer Programmdiskussionen im Vorfeld des Wahljahres. Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) regt DRG-Änderungen an, will das System aber nicht komplett abschaffen. So genannte „Vorhaltepauschalen“ für bestimmte Fachabteilungen (zum Beispiel Pädiatrie, Diabetologie oder Rheumatologie) seien eine Möglichkeit, das bestehende DRG-System weiterzuentwickeln.

Quelle:
„Spahn: Nächstes Jahr wird in Kliniken investiert wie nie zuvor“, Ärzte Zeitung, 18. September 2020

 

Honig stark bei Atemwegsinfekten

Honey pixabayBerlin, 5. Oktober 2020. Honig kann Beschwerden bei Atemwegsinfektionen lindern, insbesondere Husten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Übersicht einer Forschergruppe der Oxford University, die im British Medical Journal Evidence Based Medicine (BMJ EBM, DOI: 10.1136/bmjebm-2020-111336) veröffentlicht wurde.

Auch wenn Honig bei Husten und Erkältungen schon lange als Hausmittel verwendet werde, so gab es laut den beteiligten WissenschaftlerInnen bisher keine systematischen Belege für die Wirksamkeit bei Symptomen der oberen Atemwege bei Erwachsenen.

Die ForscherInnen haben für ihre systematische Übersicht 14 klinische Studien mit 1.761 TeilnehmerInnen ausgewertet, auch wenn einige der Studien methodische Schwächen hatten. Die Datenanalyse der eingeschlossenen Studien zeigte, dass Honig wirksamer war als die übliche Behandlung, besonders bei Husten. Zwei der Studien zeigten, dass die Symptome bei den mit Honig behandelten PatientInnen um ein bis zwei Tage verkürzt auftraten.

Die ForscherInnen fassen zusammen, dass Honig billig und leicht erhältlich sei und so gut wie keine Nebenwirkungen habe – und aufgrund der guten Wirksamkeit als geeignete Alternative zur konventionellen Behandlung zu empfehlen sei.

Quelle:
„Honig bei Therapie von Atemwegsinfektionen empfehlenswert“, Deutsches Ärzteblatt, 17. September 2020