Deutscher Bundestag

Licht und (viel) Schatten im zweiten Pandemie-Jahr: Die Impfprogramme sind angelaufen, wenn auch mit einigem Chaos. Eine gute Nachricht ist, dass ab April auch endlich die 35.000 Hausarztpraxen impfen können – ein längst überfälliger Schritt, da die HausärztInnen die gesundheitlichen Risiken ihrer PatientInnen natürlich am besten einschätzen können. Trotzdem wird es dauern, bis sich die Effekte des Impfens zeigen werden. Derweil verschlechtert sich die Stimmungslage in der Bevölkerung weiter. Vor allem Kinder und Jugendliche haben vermehrt Zukunftsängste und psychische Probleme. Die Pandemie legt schmerzlich offen, dass gerade die vulnerablen Gruppen am stärksten betroffen sind. Was es nun braucht, ist eine Public Health Strategie für Deutschland, um die gesundheitlichen Folgen der Pandemie abzufangen – so ein Eckpunktepapier des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung. Mehr Prävention und Gesundheitsförderung fordert auch der Kneipp-Bund anlässlich des 200. Geburtstages von Sebastian Kneipp, der in diesem Jahr gefeiert wird.

 

Die Meldungen:

» Corona - Seele in Not
» Neue Impulse für Public Health
» 200 Jahre Sebastian Kneipp

 

Corona – Seele in Not

Corona Seele PexelsBerlin, 7. April 2021. Der zweite Lockdown schlägt deutlich mehr Menschen in Deutschland auf die Psyche als der erste vor einem Jahr. Zu diesem Schluss kommt eine Erhebung des „Deutschland-Barometers Depression“, für das Mitte bis Ende Februar rund 5.100 Menschen zwischen 18 und 69 Jahren repräsentativ online befragt wurden.

71 Prozent der BundesbürgerInnen empfinden die Situation im zweiten Lockdown als bedrückend. Im ersten Lockdown waren es 59 Prozent, im Sommer 2020 sogar nur 36 Prozent. Fast die Hälfte (46 Prozent) der Deutschen erlebt seine Mitmenschen als rücksichtsloser (im ersten Lockdown 40 Prozent). Jeder dritte hat Sorgen um seine berufliche Zukunft. Familiär stark belastet fühlen sich im Februar 2021 25 Prozent der Befragten, im Sommer 2020 waren es nur 16 Prozent.

Kinder und Jugendliche besonders betroffen

Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche. Eine Studie der Universität Innsbruck zum psychischen Wohlergehen von Kindern zwischen drei und zwölf Jahren kommt zu alarmierenden Ergebnissen: „Wir sehen, dass die Anzahl der Kinder, die sich stark belastet fühlen, steigt“, so die AutorInnen der Studie. Angst- und Trauma-Symptome seien seit dem Beginn der Pandemie gestiegen, das Rückzugsverhalten habe zugenommen, auch Aufmerksamkeitsprobleme wurden verstärkt angegeben. Die ExpertInnen warnen nachdrücklich vor einer erneuten Schließung von Schulen und Kindergärten. Die Studie soll fortgesetzt werden.

Alarmsignal Perspektivlosigkeit

Zwei weitere Befragungen an den Universitäten Hildesheim und Frankfurt am Main kommen für Jugendliche und junge Erwachsene ebenfalls zu problematischen Ergebnissen: Ein Großteil junger Menschen zwischen 15 und 30 Jahren fühlt sich im Stich gelassen. Das Durchschnittsalter der Befragten betrug 19 Jahre.
61 Prozent gaben an, sich teilweise oder dauerhaft einsam zu fühlen. 64 Prozent berichteten von psychischen Belastungen, 69 Prozent von Zukunftsängsten. Auch finanzielle Sorgen haben in dieser Altersgruppe zugenommen. Deutlich wurde auch, dass junge Leute den Eindruck haben, dass ihre Sorgen eher nicht oder gar nicht gehört werden – das waren deutlich mehr als noch im Frühjahr 2020 zu Beginn der Pandemie. Besonders alarmierend ist die Perspektivlosigkeit, die viele junge Erwachsene empfinden: 57,5 der Befragten gingen erst gar nicht davon aus, dass junge Menschen ihre Ideen in die Politik einbringen können, weil ihre Probleme für die Politik sowieso nicht wichtig seien.

Quellen:
„Sondererhebung Deutschland-Barometer Depression“, Deutsche Depressionshilfe, 23. März 2021
„Neue Erkenntnisse Tiroler Covid-19-Kinderstudie: ‚Kinder und Jugendliche sind deutlich stärker belastet‘“, Medizinische Universität Innsbruck, 23. März 2021
„Corona: Junge Menschen klagen über Vereinsamung und Zukunftsangst“, Deutsches Ärzteblatt, 23. März 2021

Neue Impulse für Public Health

Public Health PexelsBerlin, 7. April 2021. Die Corona-Pandemie legt schmerzlich offen, dass es in Deutschland ein Problem der öffentlichen Gesundheit gibt: Es hat sich gezeigt, dass die Schwächsten unserer Gesellschaft besonders stark betroffen sind – soziale Unterschiede sind immer noch entscheidend für Gesundheit und Krankheit. Das gilt, so zeigt sich in diesen Wochen und Monaten, besonders in einer Pandemie.

Gegensteuern lässt sich zum Beispiel mit einer Stärkung von Public-Health-Konzepten. Neue Impulse hat das Zukunftsforum Public Health kürzlich in einem Eckpunkte-Papier für eine Public-Health-Strategie für Deutschland vorgelegt. Ziel ist die Entwicklung eines starken und handlungsfähigen Public-Health-Systems, das die Gesundheit aller in den Mittelpunkt stellt.

„Deutschland braucht jetzt eine Public-Health-Strategie, um die gesundheitlichen Folgen der Pandemie abzufangen und die gesellschaftlichen Abwehrkräfte für zukünftige Pandemien zu stärken“, so das Zukunftsforum. Das Zukunftsforum ist ein Zusammenschluss von AkteurInnen aus Wissenschaft und Praxis aus Deutschland, die sich für die Stärkung von Öffentlicher Gesundheit einsetzen.

In dem Strategiepapier werden Handlungsoptionen für zehn Bereiche („Essential Public Health Operations“) vorgestellt, um die Public Health zu stärken, zum Beispiel in den Feldern Governance, Surveillance, Prävention, Nachhaltigkeit, Chancengleichheit. Dazu gehören auch konkrete Vorschläge, wie die definierten Ziele erreicht werden können.

Quelle:
„Public-Health-Strategie für Deutschland – Eckpunkte des Zukunftsforums Public Health“, 15. März 2021

200 Jahre Sebastian Kneipp

Logo Kneipp 2021 RGBBerlin, 7. April 2021. „Die Natur ist die beste Apotheke“ – so schön hat es Sebastian Kneipp vor mehr als 120 Jahren formuliert. Noch heute ist sein Gesundheitskonzept mit seinen fünf Elementen Wasser, Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und Lebensordnung sehr beliebt. Das Wassertreten und die Kneipp-Güsse sind aber nach wie vor die wohl bekanntesten Komponenten der Kneippschen Naturheilverfahren. Heute sind rund 200.000 Menschen in Deutschland in den etwa 1.200 Kneipp-Vereinen aktiv.

Pionier für Prävention

In diesem Jahr wäre Sebastian Kneipp 200 Jahre alt geworden – ein guter Grund für den Kneipp-Bund, dieses Jubiläum als „Kneipp-Jahr“ zu feiern: Sebastian Kneipp war nicht nur Menschenfreund und Visionär; wie kein anderer hat er den Präventionsgedanken gelebt und bereits damals überregional bekannt gemacht, um Gesundheit zu fördern und Krankheiten zu verhindern.

Seine Erkenntnisse sind heute aktueller denn je: Der Kneipp-Ansatz basiert auf der Erkenntnis, dass ein richtig funktionierendes Immunsystem, eine umfassende körperliche Fitness und eine gute Stressresistenz wichtig für die Selbstheilungskräfte sind, mit denen die Widerstandsfähigkeit gestärkt wird.

Großes Auftakt-Event am 2. Mai 2021

Das Kneipp-Jahr wird mit einem großen "Auftakt ins Jubiläumsjahr" als Hybridveranstaltung mit bundesweitem Livestream am 2. Mai von 14:00 bis 16:00 Uhr eingeläutet. Zahlreiche VertreterInnen aus der Gesundheitspolitik nehmen teil – auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der Bayerischer Gesundheitsminister Klaus Holetschek haben sich angekündigt. Viele Menschen, die mit Kneipp arbeiten und leben, kommen zu Wort, auch aus den Kneipp-Vereinen und zertifizierten Kneipp-Einrichtungen wie Kitas oder Seniorenheime. Außerdem werden die vom Bundesfinanzministerium herausgegebene Kneipp-Silbergedenkmünze und die Kneipp-Briefmarke sowie die Kneipp-Playmobilfigur der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Veranstaltung wird Corona-bedingt als Hybridveranstaltung durchgeführt und live über YouTube gestreamt. Der Link wird Ende April unter www. kneipp2021.de bekannt gegeben.

Quelle:
www.kneipp2021.de