Deutscher Bundestag

Politisch ging es im Oktober natürlich vor allem um die Regierungsbildung. Die Gesundheitspolitik hat in den Sondierungsgesprächen allerdings (mal wieder) kaum eine Rolle gespielt – und das trotz anderthalb Jahren Pandemiegeschehen mit allem, was dazu gehört! Dabei leiden viele unter den Entwicklungen der letzten Monate. Neue Studien zeigen zum Beispiel, dass Depressionen und Angsterkrankungen weltweit drastisch zugenommen haben. Unser Umgang mit Pandemien wäre also durchaus eine Debatte wert. Auf dem 12-seitigen Ergebnispapier, mit dem es in die Koalitionsverhandlungen gehen soll, nimmt das Thema Medizin und Gesundheit aber gerade mal 18 Zeilen ein. Das ist kein gutes Signal.

Dass es durchaus auch konkreter und innovativer geht, macht in Bayern der dortige Gesundheitsminister Klaus Holetschek vor, der sich kürzlich ganz explizit für mehr Integrative Medizin stark gemacht hat und einen entsprechenden Lehrstuhl fordert. Und noch weitere gute Nachrichten aus der Integrativen Medizin: Ab sofort ist der Mistelhersteller ABNOBA GmbH mit dem forschenden Carl Gustav Carus-Institut in Öschelbronn unter einem Dach vereint.

Die Meldungen:

» Rot-gelb-grüne Päne für die Gesundheitspolitik
» Mehr Miteinander von konventioneller und komplementärer Medizin bitte!
» Covid-19: mehr Depressionen und Angsterkrankungen
» Misteltherapie: Forschung und Herstellung unter einem Dach

Rot-gelb-grüne Pläne für die Gesundheitspolitik

Ampelkoalition pixabayBerlin, 3. November 2021. Die Pläne zur Ampelkoalition werden konkreter: SPD, Grüne und FDP haben Mitte Oktober ein zwölfseitiges „Ergebnispapier“ zur möglichen Aufnahme von Koalitionsverhandlungen vorgestellt. Die Gesundheitspolitik steht definitiv nicht im Zentrum – ihr sind auf den zwölf Seiten rund 18 Zeilen gewidmet.

Wenig innovationsfreudig

Auch inhaltlich lesen sich die Pläne nicht gerade innovativ: Die gesetzliche und die private Kranken- und Pflegeversicherung soll erhalten bleiben – die in den Wahlprogrammen von SPD und Grünen geforderte Bürgerversicherung ist damit vom Tisch. „Vorsorge und Prävention“ sollen zum Leitprinzip gemacht werden. In der defizitären Klinikfinanzierung soll das System der diagnosebezogenen Fallpauschalen (DRG) weiterentwickelt und in manchen Disziplinen (Geburtshilfe, Notfall, Kinder- und Jugendmedizin) angepasst werden. Der Öffentliche Gesundheitsdienst soll digitalisiert und gestärkt werden.

Mehr Kooperationen sollen dazu beitragen, die bisherigen Sektorengrenzen zu überwinden. Natürlich geht es auch um die Pflege: Ausbildung, Arbeitsbedingungen und Löhne sollen verbessert werden. „Entbürokratisierung, Nutzung digitaler Potenziale und klare bundeseinheitliche Vorgaben bei der Personalbemessung“ wurden als Ziele für die Pflege genannt.

Kritik an wenig konkreten Formulierungen

Angesichts der eher allgemeingültigen Aussagen zur Gesundheitspolitik kritisierten sowohl Verbände aus der Pflege, die Kliniken und auch die gesetzlichen Krankenkassen das Ergebnis der Sondierungsgespräche. Kritik kam auch von Klima- und Umweltschützer:innen, denen das Papier ebenfalls zu wenig konkret ausgefallen ist.

Quelle:

„Das plant die Ampelkoalition im Bereich Gesundheit“, Ärzte Zeitung, 15. Oktober 2021

 

Mehr Miteinander von konventioneller und komplementärer Medizin, bitte!

csu bild Holetschek RolandSchraut RS PhotoBerlin, 3. November 2021. Ein gutes Signal für die Integrative Medizin in Bayern: Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek hat kürzlich ein stärkeres Miteinander von konventioneller Medizin und evidenzbasierten Naturheilverfahren gefordert: „Wir müssen evidenzbasierte Naturheilkunde noch stärker in die medizinische Versorgung integrieren. Dafür müssen wir Naturheilverfahren stärker in den wissenschaftlichen Fokus nehmen und in der universitären Forschung und der Lehre und Ausbildung verankern.“

Lehrstühle für Integrative Medizin gefordert

Dafür wünscht sich der Minister mehr universitäre Forschung: „Wir brauchen in Bayern Lehrstühle für Integrative Gesundheit und Naturheilkunde. Ich setze mich daher schon lange für einen solchen Lehrstuhl an der medizinischen Fakultät der Universität Augsburg ein. Forschung und Lehre können entscheidend dazu beitragen, tiefergehende wissenschaftliche Erkenntnisse zu naturheilkundlichen Praktiken und Methoden zu liefern.“

Potenziale gerade bei chronischen Erkrankungen

Besonders die Zunahme der chronischen Erkrankungen macht Holetschek Sorgen: „Chronische Erkrankungen werden in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Und gerade da kann konventionelle Medizin an Grenzen stoßen: Bei der Behandlung von Erkrankungen wie Arthrose, Allergien, Stoffwechselerkrankungen, aber auch bei Depression oder chronischer Erschöpfung. Hier können Naturheilverfahren gewinnbringend zum Wohle der Patientinnen und Patienten zum Einsatz kommen.“

Integrative Medizin für alle

Holetschek fordert außerdem, dass Integrative Medizin ein fester Bestandteil des Leistungskataloges der Gesetzlichen Krankenversicherung sein soll: „Für mich als Gesundheitsminister ist der entscheidende Punkt die bestmögliche medizinische Versorgung für die Bürgerinnen und Bürger. Wir müssen daher in Zukunft das Potenzial der evidenzbasierten Naturheilkunde noch besser nutzen. Die Ausgrenzung von Naturheilverfahren aus der medizinischen Versorgung und akademischen Strukturen führt zu unerwünschtem und alternativmedizinischem Wildwuchs.“

Quelle:

„Holetschek fordert ein stärkeres Miteinander konventioneller Medizin und evidenzbasierter Naturheilverfahren“, Pressemitteilung Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, 8. Oktober 2021

 

Covid-19: Mehr Depressionen und Angsterkrankungen

pexels anna shvets FBBerlin, 3. November 2021. Inzwischen wird deutlich, dass die mentale Gesundheit in der Pandemie bei vielen Menschen gelitten hat. In einer Studie aus Australien, die kürzlich » im Lancet veröffentlicht wurde, wurden neue Ergebnisse zur weltweiten Häufigkeit von schweren Depressionen und Angststörungen veröffentlicht: Diese Störungen haben im Verlauf der Coronapandemie um mehr als 25 Prozent zugenommen, wobei vor allem jüngere Menschen und Frauen betroffen sind, die angeben, dass sie unter den Einschränkungen des öffentlichen Lebens verstärkt leiden: „Die sozialen Beschränkungen, der allgemeine Lockdown mit Schul- und Geschäftsschließungen, der Verlust der Lebensgrundlage bei vielen Berufstätigen und der Rückgang der Wirtschaftstätigkeit haben der psychischen Gesundheit vieler Menschen geschadet“, kommentierte das » Deutsche Ärzteblatt am 7. Oktober 2021 online.

Millionenfach mehr Fälle von Depressionen und Angststörungen

Für die Meta-Analyse wurden Daten aus 48 Studien ausgewertet, schwerpunktmäßig aus den einkommensstarken Ländern Westeuropas, Nordamerikas, Australiens und Asiens. Aus Südamerika und Afrika lagen keine Daten vor.

Die Studienautor:innen gehen davon aus, dass durch die Pandemie die Zahl der Menschen mit Depressionen um 53 Millionen oder 28 Prozent auf 246 Millionen Fälle gestiegen ist. Von den zusätzlichen Erkrankungen entfielen 35 Millionen auf Frauen gegenüber 18 Millionen bei Männern. Ähnliche Zahlen ermitteln die Forscher für Angststörungen. Ohne Pandemie hätte es im Jahr 2020 weltweit 298 Millionen Erkrankte gegeben. Durch die Pandemie kam es zu 76 Millionen zusätzlichen Erkrankungen, was einem Anstieg um 26 Prozent entspricht. Für beide Krankheitsbilder gilt: Am stärksten stieg die Prävalenz in der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen.

EDA fordert Rahmenplan „Mentale Gesundheit“

Anlässlich des Europäischen Depressionstages im Oktober 2021 hat auch die Europäische Depressions-Gesellschaft (EDA) in einer Onlinekonferenz auf die erheblichen Folgen der Pandemie für Patient:innen mit Depressionen hingewiesen. Die EDA fordert einen Rahmenplan „Mentale Gesundheit“ und außerdem die stärkere Berücksichtigung von Künstlerischen Therapien in der Therapie von Depressionen.

Quellen:

„SARS-CoV-2: Weltweite Zunahme von Depressionen und Angsterkrankungen“, Deutsches Ärzteblatt, 11. Oktober 2021
„Für eine Welt nach Corona: EDA fordert Rahmenplan ‚Mentale Gesundheit‘ und Anerkennung Künstlerischer Therapien“, Meldung BVAKT, 7. Oktober 2021

 

 

Misteltherapie: Forschung und Herstellung unter einem Dach

Abnoba Foto ScheerBerlin, 3. November 2021. Die Abnoba GmbH, Hersteller für Mistelpräparate, und das Carl Gustav Carus-Institut, spezialisiert auf die Forschung zur Krebstherapie, sind ab sofort unter einem Dach vereint. Nach zweijähriger Bauzeit konnte der Neubau in Niefern-Öschelbronn bezogen werden. Bereits seit Dezember 2020 ist das gesamte Unternehmen Abnoba GmbH (vorher an zwei Standorten tätig) in neuen Lager-, Labor- und Büroräumen in Öschelbronn ansässig. Nun komplettiert das Forschungsinstitut „Carl Gustav Carus-Institut“ den Neubau.

Mehr Arbeits- und Entwicklungsmöglichkeit

Die Bauherrin Abnoba GmbH erstellte für etwa 10 Millionen Euro das gemeinsame Fertigungs- und Laborgebäude mit über 3.000 m² und 14.000 m³ Raumvolumen – ein enormer Zugewinn an Arbeits- und Entwicklungsmöglichkeiten. Ein modernes Blockheizkraftwerk sorgt umweltfreundlich für Wärme und günstige Energie.

Für die Abnoba GmbH gilt: Sowohl die Beschaffenheit und Belüftung der Räume als auch die Funktionalität der Arbeitsabläufe tragen zur hohen Qualität der dort gefertigten Produkte bei. Auch die Räumlichkeiten für das Carl Gustav Carus-Institut sind ganz auf die chemisch-analytischen, tumorbiologischen und immunologischen Untersuchungen zugeschnitten.

Aufgrund der Corona-Beschränkungen konnte noch keine Einweihung in größerem Rahmen gefeiert werden – das soll aber im kommenden Jahr nachgeholt werden.

Mehr erfahren?

www.abnoba.de
www.carus-institut.de

 

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