Impfdebatte

Wenige Themen im Gesundheitswesen werden so emotional und kontrovers diskutiert wie das Impfen. Auf der einen Seite wettern überzeugte Impfgegner gegen jede Impfung. Auf der anderen Seite wollen viele gegen alles und jedes impfen und fordern eine gesetzliche Impfpflicht. Für differenzierte Argumente ist auf beiden Seiten wenig Platz.

Die Anthroposophische Medizin setzt anders an – und empfiehlt eine sachliche Diskussion um Vor- und Nachteile sowie eine kritische-konstruktive Betrachtung der offiziellen Impfempfehlungen sowie des Impfzeitpunktes. Impfungen stellen eine freiwillige Form der Krankheitsprophylaxe dar, über die – zu Recht – individuell entschieden werden sollte.

Anthroposophische Ärzte/Ärztinnen beraten die Eltern unabhängig und ausführlich und beziehen alle Erkenntnisse, die über Impfungen bei Kinderkrankheiten vorliegen, mit ein. Auch Fragen nach den langfristigen (immunologischen) Auswirkungen einer Impfung werden in Ruhe besprochen – und zwar im jeweiligen Einzelfall. Eine generelle Impfpflicht lässt sich mit dieser Perspektive nicht vereinbaren.

Anthroposophische Ärzte/Ärztinnen sind deshalb für die Respektierung der individuellen elterlichen Impfentscheidung nach ausführlicher ärztlicher Aufklärung. Diese Position steht auch im Einklang mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, das der Einführung einer Impfpflicht, über die immer wieder diskutiert wird, hohe Hürden entgegenstellen würde.

Die Anthroposophische Medizin nimmt die individuelle Aufklärung – vor allem auch zu einem sinnvollen Zeitpunkt einer Impfung – aus gutem Grund sehr ernst: Eine Impfung stellt immer einen Eingriff in das kindliche Immunsystem dar. Gerade bei einem Baby, bei dem das Immunsystem noch nicht ausgereift ist, kann nach dem jetzigen Wissensstand aber noch nicht abschließend definiert werden, welche Konsequenzen dieser Eingriff langfristig für das Immunsystem haben kann.

„Nur eine differenzierte ärztliche Aufklärung über das jeweilige Krankheitsbild einschließlich der möglichen Nebenwirkungen kann den Eltern bei einer verantwortlichen Entscheidungsfindung helfen“, sagt der Münchner Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin Georg Soldner, Vorstandsmitglied der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland (GAÄD) und Stellvertretender Leiter der Medizinischen Sektion am Goetheanum. „Die Eltern können nur dann eigenverantwortlich entscheiden, wenn offen und ehrlich über Vorteile und Risiken von Schutzimpfungen informiert wird“, so Soldner weiter.