Therapien

Die künstlerischen Therapien der Anthroposophischen Medizin fördern die Genesungskräfte des Menschen und unterstützen die Patientinnen und Patienten dabei, Erkrankungen aktiv entgegenzuwirken. Mit der Zusammenführung von gesundheitsfördernden und krankheitsausgleichenden Aspekten sprechen die Therapien der Anthroposophischen Medizin das Bedürfnis des Menschen nach ganzheitlicher Behandlung, Selbstverantwortung und Eigenaktivität an.

Gestärkt in der Krise

Ziel der künstlerischen Therapieformen ist es, dass sich der Patient mit Phänomenen seiner Erkrankung auseinandersetzt und durch sein schöpferisches Handeln auch seelische und geistige Bedingungen schafft, um gesund zu werden. Die bewusste Auseinandersetzung mit Ton, Holz oder Stein, Farbe, Form, Klang, Sprache oder Bewegung eröffnet vielen Menschen neue Wege im Umgang mit sich selbst und dem Umfeld. Dadurch können sich oft neue Wege zur Bewältigung von Krankheit und Problemen ergeben. So geht es beim plastischen Gestalten, dem Zeichnen und Malen sowie dem Musizieren nicht um das Erlernen künstlerisch-handwerklicher oder ästhetischer Fähigkeiten. Vielmehr geht es um die unmittelbare Auseinandersetzung mit Gefühlen, Gedanken und inneren Kräften, die sich in der Gestaltung von Formen, Farben oder Tönen, Melodien und Rhythmen äußern. Zusammen mit dem Therapeuten werden die künstlerischen Mittel ausgewählt und neue Ansätze des Handelns und Erlebens entdeckt.

Stress künstlerisch begegnen

Ein Beispiel für diesen Ansatz: Im Bereich der Prävention hat der » Berufsverband Anthroposophische Kunsttherapie e.V. (BVAKT) das Programm „Kreatives Stressmanagement (BVAKT)®“ entwickelt. Mit Hilfe dieses Programmes können gestresste Menschen lernen, mit künstlerischen Mitteln der Malerei, Musik, Plastik oder Sprachgestaltung kreativ mit Überforderungen durch innere und äußere Stressfaktoren umzugehen und gesundheitlichen Schädigungen vorzubeugen. Dieses Programm wird mittlerweile von einigen Gesetzlichen Krankenversicherungen im Rahmen von bestimmten Höchstgrenzen bezuschusst. Alle Kurse unterliegen der Qualitätssicherung des » Berufsverbandes Anthroposophische Kunsttherapie» und werden von zertifizierten Therapeuten/innen durchgeführt.

Hier finden Sie den nächsten Kurs zum » Kreativen Stressmanagement (BVAKT)®

 

Die Anthroposophischen Öldispersionsbäder sind etwas ganz Besonderes: Beim Baden wird der Patient in Wasser, Wärme und Öl „eingehüllt“, so dass der Heilungsprozess unterstützt werden kann. Menschen, die erschöpft sind oder deren körpereigene Wärmeorganisation gestört ist, profitieren davon besonders.

Die Anregung zu den Öldispersionsbädern geht auf Rudolf Steiner zurück und wurde später von Werner Junge aufgegriffen, der 1937 einen Apparat entwickelt hat, um Wasser und Öl zu therapeutischen Zwecken zu vermischen.

Mit dem Apparat wird Wasser und Öl so fein zerstäubt, dass sich das Öl als hauchdünner Film stabil um die feinen Wassertröpfchen legen kann. Dabei werden dem Wasser besondere Kombinationen von ätherischen Ölen zugesetzt, nicht jedoch synthetische Emulgatoren. Da das Öl durch die Verwirbelung im zuströmenden Wasser eine bis zu 2.500-fach vergrößerte Oberfläche hat, können die winzigen Öl-Wasser-Tröpfchen die natürliche Schutzbarriere der Haut passieren, so dass sie die tieferen Hautschichten erreichen und die ätherischen Wirkstoffe in die Blutbahn gelangen können. Untersuchungen konnten zeigen, dass die Ölteilchen transkutan resorbiert und im Stoffwechsel weiterverarbeitet werden. Verstärkt wird der positive Effekt noch durch eine spezielle Unterwasser-Bürstenmassage, die auf der » Rhythmischen Massage aufbaut und den Lymphfluss anregt.

Effektiver Wärmespeicher

Da die Haut die Öltröpfchen transkutan aufnimmt, bleibt der wärmespeichernde Effekt des Öldispersionsbades noch Stunden nach dem Bad erhalten – im Gegensatz zu einem herkömmlichen Wannenbad, bei dem eine höhere Hauttemperatur nur kurzzeitig erreicht wird. Die Kerntemperatur des Badenden wird lang anhaltend erhöht. So trägt das Öldispersionsbad schonend zu einer Normalisierung des Wärmehaushaltes bei und schafft damit eine der Grundvoraussetzungen für ein stabiles Immunsystem sowie für ein gesundes Lebensgefühl. Darüber hinaus können Öldispersionsbäder gerade bei kleinen Kindern oder älteren Menschen sinnvoll sein, da sie den Kreislauf und die Organe weniger stark als konventionelle Wärmetherapien belasten.

Vielfältig angewandt

Das Öldispersionsbad wird sehr vielfältig eingesetzt, zum Beispiel bei Neurodermitis oder Hautallergien, bei Stoffwechselerkrankungen, bei Entzündungen, bei Arthrose, Minderungen der Beweglichkeit und der Mobilität wie beispielsweise bei neurodegenerativen Erkrankungen, bei vegetativen Funktionsstörungen des Kreislaufs und der Atmung wie Asthma bronchiale oder Herzrhythmusstörungen, bei Schlafstörungen und Erschöpfungszuständen sowie bei psychiatrischen oder psychosomatischen Erkrankungen wie Depressionen, Unruhe- und Angstzuständen.

Je nach Krankheitsbild werden unterschiedliche Öle eingesetzt: So wirken zum Beispiel die intensiven Wärmekräfte des Thymianöls ausgleichend bei allen Formen von Unterkühlung und Erkältung, während die aktivierenden Kräfte des Rosmarins den Blutdruck und die allgemeine Vitalität spürbar anregen.

 

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» Internationaler Verein für Öldispersionsbadetherapie nach Werner Junge e.V.

Zu den besonderen Therapien der Anthroposophischen Medizin gehört auch die Rhythmische Massage nach Dr. Ita Wegman, die von Ita Wegman und Margarete Hauschka in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde.

Heilung durch Berührung

Was macht die Massage so besonders? Obwohl die Grundformen der Rhythmischen Massage von denen der klassisch-schwedischen Massage abgeleitet sind, setzt die Rhythmische Massage nach Dr. Ita Wegman „leichtere“ Griffe ein, die eher rhythmisch als druckvoll sind. Durch spezifische Rhythmen und besondere Kreisformen wirkt die Massage zugleich anregend und beruhigend, aktivierend und entschleunigend, umhüllend und lösend. Die Rhythmische Massage greift heilsam in den Organismus ein und trägt so zur Linderung von Krankheitssymptomen und zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte des Patienten bei.

Bei der Massage bleibt der Körper, bis auf den gerade behandelten Bereich, bedeckt. Die Patienten fühlen sich umhüllt und geborgen. Der Körper wird anhaltend durchwärmt. Nach der Behandlung, die etwa 30 bis 40 Minuten dauert, ruhen sich die Patientinnen und Patienten aus, so dass der Organismus die Anregungen, die die Massage gegeben hat, aufgreifen und verarbeiten kann.

Sinnvoll bei akuten und chronischen Krankheiten

Die Rhythmische Massage kann sehr vielfältig eingesetzt werden: In der Kinderheilkunde kann sie zum Beispiel unruhiges und aggressives Verhalten, Ernährungsstörungen und Schlafstörungen positiv beeinflussen, in der Geriatrie sklerotische Prozesse beleben, in der Neurologie das Körperbewusstsein verbessern oder in der Krebstherapie die besondere Wärmetherapie der Anthroposophischen Medizin unterstützen. Bei Erkrankungen der inneren Organe kann die Rhythmische Massage entlastend auf das Herz-Kreislaufsystem wirken, in der Orthopädie – besonders vor und nach Gelenkoperationen – einen guten Heilungsverlauf unterstützen sowie in der Psychosomatischen Medizin viele seelische Verstimmungen positiv beeinflussen. Besonders bewährt hat sich die Rhythmische Massage auch in der Schmerztherapie sowie in der Behandlung von chronisch kranken und / oder multimorbiden Patienten.

 

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» Berufsverband Rhythmische Massage nach Dr. Ita Wegman e.V.

Die Heileurythmie ist eine Bewegungstherapie, die vor rund 100 Jahren von Rudolf Steiner gemeinsam mit der Ärztin Dr. Ita Wegman entwickelt wurde. Sie kann bei akuten und chronischen Erkrankungen eingesetzt werden – aber auch präventiv, um Körper, Seele und Geist zu stärken. Heute wird die Heileurythmie in verschiedenen Einrichtungen wie Praxen, Kliniken oder Schulen eingesetzt und fortlaufend wissenschaftlich erforscht.

In Bewegung bleiben

Die Grundelemente der Heileurythmie sind die in Bewegung umgewandelten Laute der Sprache, die je nach Indikation und therapeutischer Zielsetzung spezifisch angewandt werden. Vokalen und Konsonanten entsprechen jeweils eigene Gesten und Gebärden. Gezielte heileurythmische Bewegungsübungen helfen dem Menschen, wieder zu einer gesunden Balance zwischen physischen, seelischen und geistigen Kräften zu finden.

Wie sich in Mimik und Gestik unsere inneren Empfindungen nach außen hin darstellen, so wirken umgekehrt die heileurythmischen Bewegungen von außen nach innen. Jeder Laut, jede Bewegung steht in einer bestimmten Wirkungsbeziehung zu den Vorgängen unseres Organismus'. Heileurythmie wirkt somit gezielt wie ein Medikament – bis in die Funktion einzelner Organe und Organsysteme hinein. Der Mensch ist dabei immer als Ganzheit zu sehen: So kann eine motorische Störung seelische Ursachen haben und eine seelische Störung organisch bedingt sein. Heileurythmie wirkt auf diesen verschiedenen Ebenen. Der Patient entwickelt eine aktive Rolle: Er ist nicht nur Objekt einer Behandlung, sondern kann den Heilungsprozess selbst aktiv mitgestalten.

Akut und prophylaktisch wirksam

Im Rahmen der Anthroposophischen Medizin wird Heileurythmie bei allen akuten, chronischen oder degenerativen Krankheitsbildern breit angewendet. Zum Beispiel bei Erkrankungen des Nervensystems, des Herz-Kreislaufsystems, des Stoffwechselsystems und des Bewegungsapparates, bei kindlichen Entwicklungsstörungen und Behinderungen sowie in der Psychosomatik und Psychiatrie. Darüber hinaus kann sie prophylaktisch oder in der Nachsorge bei schweren Erkrankungen eingesetzt werden – und auch im Alltag, um gesund zu bleiben.

 

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» Berufsverband Heileurythmie (BVHE)

Zu den Besonderheiten der Anthroposophischen Medizin gehört ein erweitertes therapeutisches Spektrum an speziellen Therapien: Anthroposophische Kunsttherapie, Heileurythmie, Rhythmische Massage nach Dr. Ita Wegman und die Öldispersionsbadetherapie. Eingesetzt werden diese Therapien, um die Symptome zu linden und die Patient/innen dabei zu unterstützen, ihre Selbstheilungskräfte zu stärken und die Therapie aktiv mitzugestalten. Gleichzeitig werden die körperlichen, seelischen und geistigen Ressourcen gefördert, um die eigene Gesundheit nachhaltig zu stabilisieren.

Die Anthroposophischen Therapien werden ärztlich verordnet und können sowohl ambulant als auch stationär durchgeführt werden. Sie werden von Therapeuten, die über akademische Abschlüsse verfügen oder zertifiziert ausgebildet sind, geleitet. Hinweise zur Kostenübernahme durch die Gesetzliche Krankenversicherung finden Sie » hier