In Baden-Württemberg wurde das erste Kompetenznetz für Integrative Medizin gegründet – die Anthroposophische Medizin ist als Gründungsmitglied dabei

Am 30. November 2017 war es soweit: Schirmherrin und Staatssekretärin Bärbl Mielich überreichte dem neu gegründeten „Kompetenznetzwerk Integrative Medizin“ die Gründungsurkunde. Das Netzwerk ist bundesweit das einzige seiner Art. Zehn Kliniken und ein  Versorgungsnetzwerk haben sich als Gründungsmitglieder zusammengeschlossen, um an einer Weiterentwicklung der Integrativen Medizin zu arbeiten. Aus den Reihen der Anthroposophischen Medizin sind gleich drei Kliniken dabei: die Filderklinik (Filderstadt), das Paracelsus Krankenhaus in Unterlengenhardt und die Klinik Öschelbronn. Darüber hinaus sind auch große Unikliniken, wie zum Beispiel das Universitätsklinikum Mannheim und das Universitätsklinikum Ulm beteiligt.

Gemeinsam für die Integrative Medizin

Für die meisten Menschen sind Naturheilverfahren, Homöopathie oder Anthroposophische Medizin keine Alternative zur konventionellen Medizin, sondern im Sinne einer „Integrativen Medizin“ eine wichtige Ergänzung. Auch für die Anthroposophische Medizin ist dieser integrative Ansatz ganz selbstverständlich, da sie sich per se als Erweiterung und nicht als Alternative zur modernen konventionellen Medizin versteht.

Die Nachfrage der Patientinnen und Patienten nach Integrativer Medizin ist hoch. Heute wenden von den 150.000 ambulant tätigen Ärzten in Deutschland mehr als 60.000 Fachärzte regelmäßig Verfahren aus der Integrativen Medizin in ihrer täglichen Praxis an. Über 40.000 haben eine Zusatzbezeichnung im Bereich der Komplementärmedizin erworben oder eine curriculare Ausbildung abgeschlossen. Die Integrative Medizin ist inzwischen Realität in der täglichen medizinischen Praxis.

Dialog stärken und ausbauen

Dementsprechend sollten der Dialog und die Zusammenarbeit zwischen konventioneller und Integrativer Medizin ausgebaut werden, sowohl ambulant als auch stationär. „Dieses Netzwerk ist ein Pionier“, erläutern Prof. Ralf-Dieter Hofheinz, Universitätsklinikum Mannheim, und Dr. Thomas Breitkreuz, Ärztlicher Direktor der Filderklinik „Denn ein solches klinisches Kompetenznetz gibt es in Deutschland noch nicht.“ Geplant ist, gemeinsam neue wirksame Therapieformen im Zusammenspiel von High-Tech-Medizin und komplementären Behandlungs- und Pflegeansätzen zu entwickeln und in die Praxis umzusetzen. Außerdem soll ein Qualitätslabel für die Integrative Medizin entwickelt werden, das für Betroffene zukünftig die gesicherte Qualität der Behandlungsangebote garantiert.

Schwerpunkt Integrative Onkologie

Als erstes Themenfeld wurden Krebserkrankungen bzw. die Integrative Onkologie ausgewählt. „Das neue Netzwerk widmet sich zunächst den integrativen Behandlungskonzepten bei Krebserkrankungen, wo die Nachfrage der Patienten besonders groß ist“, erklärt der Onkologe Prof. Dr. Martin Bentz, Städtisches Klinikum Karlsruhe. Hier werden eine ärztliche und eine pflegerische Arbeitsgruppe eingerichtet. Ab 2019 soll es zudem eine Arbeitsgruppe geben, die sich der ‚integrativen Behandlung von Infektionen` widmet.“ „Dies ein Thema, das uns in Klinik und Praxis besonders interessiert, um durch den vermehrten Einsatz naturheilkundlicher Verfahren unnötige Antibiotikaverordnungen zu reduzieren“, erläutert Prof. Dr. Michael Geißler, Klinikum Esslingen GmbH.

Das Netzwerk soll nach dem Wunsch seiner Gründer stetig wachsen: Weitere Partner, nicht nur Kliniken, sondern auch aus der ambulanten Versorgung sind willkommen.

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Natascha Hövener
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Der DAMiD repräsentiert die Anthroposophische Medizin in allen gesellschaftlichen Bereichen des deutschen Gesundheitswesens. Als Dachorganisation vertritt der Verband die übergeordneten Belange und Interessen seiner 16 Mitglieder. Mitgliedsorganisationen sind Berufsverbände, Klinikverband, gemeinnützige Altenhilfe, Behindertenhilfe sowie die Hersteller Anthroposophischer Arzneimittel.

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