Hebamme mit Hörrohr

Ein junger Verband auf Wachstumskurs – der Verein für Anthroposophische Hebammenkunde


Berlin, 4. Mai 2021. Am 5. Mai ist Internationaler Hebammentag. Ein guter Zeitpunkt, noch mal darauf aufmerksam zu machen, dass sich die anthroposophischen Hebammen vor einigen Jahren zu einem jungen und hoch engagierten Verband, dem Verein für Anthroposophische Hebammenkunde e.V., zusammengeschlossen haben. Was bewegt Hebammen heute besonders? Wo setzen sie ihre Schwerpunkte? Wie läuft die Arbeit im Verband und auch mit den Kolleginnen?

Ein junger Verband

Ein kurzer Blick zurück: Im Jahr 2014 war es endlich soweit – eine Gruppe engagierter anthroposophischer Hebammen schließt sich zu einem eigenen Berufsverband zusammen, dem VfAH. Ziel ist es, das Berufsbild der anthroposophischen Hebamme zu stärken. So wird gemeinsam an Angeboten zur Aus- und Weiterbildung, an Qualitätskriterien und auch der Vernetzung mit anderen Berufsgruppen wie Ärztinnen, Therapeutinnen und PflegeexpertInnen gearbeitet. Heute hat der Verband knapp 100 Mitglieder, Tendenz steigend.

Besonderheiten der anthroposophischen Hebammenarbeit

Anthroposophische Hebammen arbeiten in den durch die Hebammenordnung festgelegten Bereichen Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit, sowohl klinisch als auch außerklinisch. Nach Möglichkeit bzw. Indikation setzen sie auf anthroposophische Medikamente, äußere Anwendungen wie rhythmische Einreibungen und/oder Wickel und Auflagen. Aber das Wichtigste ist sicherlich, dass die Arbeit einer anthroposophischen Hebamme in die anthroposophische Menschenkunde eingebettet ist. Was heißt das konkret? Dazu einige Botschaften von einer Hebamme, die es wissen muss: Elke Weißenfels hat in den 1970-er Jahren als Gründerhebamme an der anthroposophischen Filderklinik angefangen und dort über 30 Jahre als Leitende Hebamme gearbeitet.

Präsent sein – und bleiben

„Das Individuelle der Mutter und des Kindes bestmöglichst zu beachten, sehe ich als meine Aufgabe. Bei der Geburt möchte ich geistesgegenwärtig präsent sein für diesen besonderen Schicksalsmoment“, so Elke Weißenfels. Diese Präsenz war und ist eines der wichtigsten Kriterien in der anthroposophischen Hebammenarbeit – das bezieht sich auf die innere Haltung der Hebammen sowie auf Respekt und Achtung gegenüber Mutter und Kind. Dazu gehören aber auch „äußere“ Aspekte wie eine schöne Gestaltung der Räumlichkeiten oder der sorgsame Umgang mit Sprache: „‘Hier ist die Hölle los‘ – als Beschreibung für einen Tag, an dem viele Kinder geboren wurden, ist völlig fehl am Platz“, meint die erfahrene Hebamme.

Auch der Umgang mit der knappen Ressource Zeit ist in der anthroposophischen Hebammenarbeit ein besonderes Thema: „Es gehörte auch zu Elkes Schule, dass man nicht auf dem Flur rannte. Eine Sache nach der andern tun, aber nicht in Hetze. Unsere Hektik und Eile überträgt sich auf die werdende Familie“, erinnert sich eine Kollegin an die damaligen Zeiten. Diesem Ideal auch in den heutigen Rahmenbedingungen gerecht zu werden, ist eine der großen Herausforderungen in der modernen Geburtshilfe. So gibt Elke Weißenfels einen besonderen Wunsch an die nachfolgenden Hebammen-Generationen weiter: „Ich wünsche mir in der Hebammenarbeit ein Bewusstsein für die Persönlichkeit des Kindes.“

Mehr erfahren?

Mehr über den Verein für Anthroposophische Hebammenarbeit e.V.: www.vfah.org

 

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