Porträt Britta Ulzhöfer

Der Mensch ist mehr: mehr als sein Körper, mehr als eine Krankheit! Darauf kommt es für mich in der Anthroposophischen Pflege an...

Dieses „mehr“ hat mich beschäftigt, seit ich meine Ausbildung zur Krankenschwester angefangen habe. Vor allem die ethischen Fragen waren und sind mir wichtig: Was ist der Mensch? Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Wie können wir in der Pflege gerade diese Momente an der Schwelle – Geburt und Tod – angemessen begleiten?

Diese Fragen haben mich zur Anthroposophischen Medizin gebracht, zuerst ins Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke. Da habe ich viel „mehr“ gefunden: Von A wie Arnika, über B wie Berührungsqualität, I wie Individualität und M wie Menschenbild bis zu Z wie Zitronenwickel. Das alles und noch viel mehr ist Anthroposophische Pflege.

Dabei geht es nicht um ein Entweder-Oder der verschiedenen Ansätze, sondern um einen echten Zusammenschluss von konventionellen und komplementären Pflegemethoden. Es beeindruckt mich beispielsweise immer wieder sehr, dass sich der Morphinbedarf eines Krebspatienten deutlich reduzieren lässt, wenn er /sie regelmäßig eine Rhythmische Einreibung bekommt. In diesem Sinne verbinden wir neue Erkenntnisse aus der modernen Pflegeforschung mit traditionellen Verfahren aus der Naturheilkunde und natürlich unseren ganz persönlichen Erfahrungen. Dabei versuchen wir jeden Tag neu, den Menschen wirklich in seiner Ganzheit zu erfassen.

Was ich mir für die Zukunft wünsche? Noch weiter aus unserer Nische herauszukommen und mehr Menschen zeigen zu können, wie eine Pflege aussieht, die wirklich gut tut!

Britta Ulzhöfer, Gesundheits- und Krankenpflegerin, Dozentin, Fachlehrerin an der Emil Molt Akademie Berlin und Vorstandsmitglied im » Verband für Anthroposophische Pflege (VfAP)