Grafik Menschen mit Maske

Welche Lehren können wir für die Prävention aus der Pandemie ziehen? In einer Online-Konferenz aus der Reihe „Zukunft Prävention“ hat Prof. Dr. med. Stefan N. Willich Anfang Juni 2021 erklärt, warum die moderne Medizin anders und vor allem früher und präventiv ansetzen muss.

Berlin, 16. Juni 2021. Viele ExpertInnen sind sich einig, dass die Corona-Pandemie verschiedene Defizite unseres Gesundheitswesens wie unter dem Brennglas aufgezeigt hat – zum Beispiel die dramatischen Defizite in Prävention und Gesundheitsförderung.

Was wir aus den Erfahrungen der letzten Monate für die Prävention lernen können, hat Prof. Dr. med. Stefan N. Willich, Direktor des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, in einer digitalen Mittagspause im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Zukunft Prävention“ erklärt und Fragen der TeilnehmerInnen beantwortet.

Video "Lehren aus und in der Pandemie - neue Wege für Prävention und Gesundheitsförderung" mit Prof. Dr. Stefan N. Willich

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Im ersten Teil der Veranstaltung „Lehren aus und in der Pandemie“ sprach Willich über die Errungenschaften der modernen Akutmedizin, aber auch über fehlende Ressourcen und Perspektiven für die Gesundheitsförderung: „Es ist immer noch so, dass bei uns vor allem die Akutmedizin zählt. Da sind wir stark. Allerdings kommt diese Art der Medizin in vielen Fällen eigentlich zu spät – nämlich dann, wenn chronische Krankheiten längst entstanden sind.“

Arm = krank?

Trotz vieler Bemühungen seien wir von einer echten Aufwertung der präventiven Ansätze noch weit entfernt: „Leider hat Corona unser Präventions-Debakel eher noch verstärkt“, betonte Stefan Willich. Denn auch und gerade in der Pandemie gilt, dass Kranksein stark vom sozio-ökonomischen Status der BürgerInnen abhänge: „Armsein macht krank“. So zeigen zahlreiche Studien inzwischen, dass schwere COVID-19-Verläufe häufiger auftreten, wenn die PatientInnen sozial und ökonomisch benachteiligt sind.

Präventionskompetenz des Einzelnen stärken

Umso mehr gehe es darum, auch in der Pandemiebekämpfung mehr auf Prävention zu setzen. Die öffentlichen Gesundheitsdienste müssen wieder gestärkt und darüber vor allem die so genannten vulnerablen Gruppen wieder besser begleitet werden. In der Kommunikation zu Sars-CoV-2 empfahl Willich einen klaren Richtungswechsel: „Wir brauchen keinen autoritären Duktus, sondern die Bereitschaft, gemeinsam zu lernen, verantwortungsbewusst mit der eigenen Gesundheit umzugehen. Dazu müssen wir allerdings die Präventionskompetenz des Einzelnen stärken“.

Zielgruppenspezifisch ansetzen

Das werde nur gelingen, betonte Willich, wenn die Präventionsarbeit gezielt bei verschiedenen Zielgruppen ansetze: „Das sind wirklich dicke Bretter, die viel zu lange nicht wirklich angegangen wurden. Dabei ist es höchste Zeit. Wir müssen in die Brennpunkte gehen, dort Projekte entwickeln, das Gespräch suchen und aufklären. Außerdem ist dringend notwendig, die Anreizsysteme zu verändern, sowohl für ÄrztInnen, als auch für PatientInnen. Dazu braucht es politische Lösungen und auch einen gesellschaftlichen Konsens, der überparteilich erarbeitet werden muss.“

Mehr erfahren?

Veranstaltet wird die Reihe „Zukunft Prävention“ in gemeinsamer Verantwortung vom Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland e.V. (DAMiD), dem Kneipp-Bund e.V. und dem Verband für Ersatzkrankenkassen e.V. (vdek). Weitere Infos online: www.zukunft-praevention.de

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