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Im Grunde ist es ja ganz einfach: Gesunde Menschen gibt es nur auf einem gesunden Planen. Auch die Weltgesundheitsorganisation hat das Thema im Visier und hat kürzlich strengere Grenzwerte für Luftschadstoffe empfohlen. Denn schon heute hat der Klimawandel gravierende Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, auch in Deutschland. Deshalb machen sich auch hierzulande immer mehr Gesundheitsberufe dafür stark, Veränderungen zum Klimaschutz anzustoßen.

Eine echte Herausforderung für die Medizin sind auch die chronischen Erkrankungen, die heute einen Großteil der Ressourcen im Gesundheitswesen binden. Nun kommt eine neue Studie zu dramatischen Ergebnissen: In der Generation X (geboren zwischen 1965 und 1979) hat bereits jeder Dritte vor dem 50. Lebensjahr mehrere chronische Gesundheitsprobleme. Zum Schluss aber noch gute Nachrichten aus der Integrativen Medizin: Eine Studie hat ergeben, dass die Mehrzahl der Eltern bei ihren Kindern auf komplementärmedizinische Verfahren wie Homöopathie oder Osteopathie setzen – und damit gute Erfahrungen gemacht haben.

Die Meldungen:

» Klimaschutz = Gesundheitsschutz
» Mehrfach chronisch krank schon vor dem 50. Geburtstag?
» Eltern setzen auf Komplementärmedizin
» Bundesverdienstkreuz für Arzt Tankred Stöbe

 

Klimaschutz = Gesundheitsschutz

Health for FutureBerlin, 6. Oktober 2021. Immer mehr Angehörige von Gesundheitsberufen machen sich für mehr Klimaschutz stark. Verbände und Initiativen machen deutlich: Der Klimawandel ist das größte denkbare Risiko für die Gesundheit der Menschen. Auch im Wahlkampf haben die Aktivist:innen Stellung bezogen, zum Beispiel das Ärztenetzwerk » Health for Future, das die Politik erneut dazu aufgefordert hat, das im Pariser Abkommen festgeschriebene 1,5-Grad-Ziel zu erreichen.

150.000 Menschenleben retten?

Das Netzwerk weist unter anderem auf eine kürzlich veröffentlichte Studie hin, die aufgezeigt hatte, dass im Jahr 2040 etwa 150.000 Menschenleben pro Jahr gerettet werden könnten, wenn das Pariser Ziel eingehalten wird. Mit gutem Beispiel voran geht übrigens das anthroposophische » Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe in Berlin, das bis 2030 das erste klimaneutrale Krankenhaus Deutschlands werden will.

Health for Future macht auch darauf aufmerksam, dass sich Maßnahmen für den Klimaschutz auch im Hier und Jetzt auf die Gesundheit auswirken: „Wenn wir weniger Kohle verbrennen, wird unsere Atemluft sauberer. Wenn wir mehr mit dem Fahrrad fahren oder zu Fuß gehen, bewegen wir uns mehr. Wenn wir auf eine fleischarme, pflanzenreiche Ernährung umsteigen, leben wir gesünder.“

Strengere Grenzwerte für Luftschadstoffe

Darüber hinaus ist eine der größten Gefahren für die menschliche Gesundheit die Luftverschmutzung, die das Risiko für Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen deutlich erhöht. Vor diesem Hintergrund hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kürzlich neue Leitlinien zur Luftqualität veröffentlicht und darin die Grenzwerte für die Belastungen mit Feinstaub und Stickstoffdioxid zum Teil massiv gesenkt. Die EU-Werte liegen nun deutlich darüber, so dass in der EU interessante Entscheidungen zu möglichen Aktualisierungen der EU-Werte anstehen.

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) begrüßt die neuen strengeren Grenzwerte und fordert die Bundesregierung auf, entsprechende Regularien und Anreize zur Schadstoffvermeidung zu schaffen.

Mehr erfahren?

Eine gute Übersicht über die gesundheitlichen Risiken durch den Klimawandel und viele konkrete Tipps zum Klimaschutz finden Sie online: www.gesundheitskrise-klimawandel.de
Mehr Infos über das Projekt » Health for Future Havelhöhe / Zero Emission am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe

Quelle

„WHO empfiehlt strengere Grenzwerte für Luftschadstoffe“, Ärzte Zeitung, 22. September 2021

Mehrfach chronisch krank schon vor dem 50. Geburtstag?

generationX pexelsBerlin, 6. Oktober 2021. Dramatische Zahlen zu chronischen Erkrankungen in den westlichen Industriestaaten: Eine britische Langzeitstudie („1970 British Cohort Study“), die fast 8.000 Menschen der Generation X (geboren zwischen 1965 und 1979) seit ihrer Geburt begleitet, kommt zu dem Ergebnis, dass mittlerweile jeder Dritte mindestens eine chronische Krankheit hat. In die Studie eingeschlossen sind über 17.000 Briten. Die letzte Befragungsrunde fand 2016 und 2018 statt, als die Teilnehmer:innen zwischen 46 und 48 Jahre alt waren.

Schlechter Gesundheitszustand der Generation X

Die jetzt in BMC Public Health veröffentlichte » Studie zeigt, dass die Generation X in keinem guten Gesundheitszustand ist: 34 Prozent wiesen gleich mehrere chronische Gesundheitsprobleme auf. Am häufigsten wurden mit 26 Prozent ein riskanter Alkoholkonsum und mit 21 Prozent regelmäßige Rückenschmerzen beobachtet. 19 Prozent klagten über psychische Probleme, 16 Prozent litten unter Bluthochdruck, 12 Prozent unter Asthma oder Bronchitis, 8 Prozent litten an Arthritis und 5 Prozent waren bereits an einem Diabetes erkrankt. Auffällig war, dass bestimmte Probleme häufig gemeinsam auftraten: Zu den Kombinationen gehörten zum Beispiel psychische Erkrankungen plus Bluthochdruck (Häufigkeit 4 Prozent) oder psychische Erkrankungen plus Asthma (3 Prozent).

Armut macht krank

Wenig überraschend, wirkt sich laut Studie die soziale Herkunft der Eltern auf die spätere Gesundheit aus: Erwachsene aus den ärmsten Familien weisen ein um 43 Prozent höheres Risiko auf, in der Lebensmitte mehrere langfristige Gesund¬heitsprobleme zu haben als diejenigen aus den privilegiertesten Familien. Auch die Kombinationen von verschiedenen Krankheitsbildern zeigte sich in den ärmeren Familien häufiger. Dieser Zusammenhang ist natürlich nicht neu, trotzdem zeigten sich die Autor:innen der Studie einigermaßen erschrocken über diese hohen Zahlen.

Quelle:

„Generation X: Jeder 3. Hat schon vor dem 50. Lebensjahr mehrere chronische Gesundheitsprobleme?“, Deutsches Ärzteblatt, 8. September 2021

Eltern setzen auf Komplementärmedizin für ihre Kinder

Homoeopathie pexels pixabayBerlin, 6. Oktober 2021. Allen Unkenrufen in manchen Medien zum Trotz: Eltern setzen zu einem Großteil auf Verfahren der Komplementärmedizin, wenn es um die Behandlung ihrer Kinder geht: Vier von fünf Eltern wünschen sich in der klinischen Versorgung ihrer Kinder mehr Angebote aus der komplementären und integrativen Medizin. 88 Prozent von ihnen sind auch bereit, die komplementärmedizinischen Therapien aus eigener Tasche zu bezahlen. Viele Eltern sprechen sich auch für mehr stationäre komplementärmedizinische Angebote aus.

Über 1.000 Eltern befragt

Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren einer schriftlichen Befragung von 1.323 Eltern, deren etwa sechsjährige Kinder ambulant oder stationär in einer Kinderklinik behandelt wurden. Ein gutes Drittel gab an, bereits komplementärmedizinische Verfahren zu nutzen – meist auf Anraten des Kinderarztes hin oder in Eige¬initiative. Mehr als die Hälfte hat demnach bereits Erfahrungen mit Homöopathie (57 Prozent) gemacht, mit einigem Abstand folgen Osteopathie (19 Prozent) und Phytotherapie (9 Prozent).

Integrative Medizin stärken

Die Autor:innen plädieren dafür, das Angebot an komplementärmedizinischen Verfahren in den Kinderkliniken auszuweiten, ungeachtet der fehlenden Kostenübernahme durch die Krankenkassen. Zwingende Voraussetzung seien allerdings qualifizierte Therapeut:innen. Eine vermehrte Nachfrage werde mittelfristig auch in Deutschland die derzeit noch geringen Forschungsaktivitäten in diesem Bereich verstärken.

Quellen:

„Eltern wollen Homöopathie für ihre Kinder“, Medical Tribune, 18. September 2021
„Integrative pediatrics survey: Parents report high demand and willingness to self-pay for complementary and integrative medicine in German hospitals“, Complementary Therapies in Medicine

Bundesverdienstkreuz für den Arzt Tankred Stöbe

TankredStöbe HavehoeheBerlin, 6. Oktober 2021. Ein besonderer Arzt – und Mensch: Dr. med. Tankred Stöbe (52) wurde für sein humanitäres Engagement von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Wir gratulieren herzlich zu dieser Auszeichnung - und danken für die geleistete Arbeit. Stöbe ist seit 2004 am anthroposophischen Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe als Internist und Notfallmediziner beschäftigt und seit 20 Jahren regelmäßig für Ärzte ohne Grenzen in Katastrophen- und Krisengebieten im Einsatz.

Stöbe hat in Greifswald, Berlin und Witten-Herdecke Medizin studiert, er absolvierte eine Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin und erwarb die Zusatz-Weiterbildungen Intensiv- und Notfallmedizin. Von 2007 bis 2015 war Stöbe Präsident der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen, von 2015 bis 2018 Mitglied des internationalen Vorstands der Organisation. 2019 erschien sein Buch „Mut und Menschlichkeit: Als Arzt weltweit in Grenzsituationen“.

Quelle:

„Tankred Stöbe: Arzt in Grenzsituationen“, Deutsches Ärzteblatt, September 2021

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